Die Sache mit der Musik …

Könnt ihr euch noch an die allererste CD erinnern, die ihr geschenkt bekommen habt? Oder an die, die ihr euch von eurem eigenen Taschengeld gekauft habt? Ich kann mich sehr gut an diese Momente erinnern, denn sie waren für mich das Größte! Die Musik war schon immer etwas Besonderes für mich. Sobald die ersten Klänge eines Liedes ertönen, dem ich voll und ganz verfallen bin, ist es wie ein Rausch, aus dem ich nur schwer wieder herauskomme. Ich fühle mich wie eine abgeschwächte Version Joe Cockers, in dem ich mit den Zehen und Fingern anfange zu zucken, als würde ich die Instrumente allesamt selbst spielen. Stundenlang sitze ich an meinem Laptop, auf der Suche nach dem größten Song aller Zeiten! Und das manchmal tagelang, abgeschnitten von der Außenwelt. Habe ich dadurch Angst etwas zu verpassen? Ganz im Gegenteil! Ich war schon immer mehr Einzelgänger als Herdentier. Und in musikalischer Hinsicht befinde ich mich in perfekter Gesellschaft. Wie wurde meine Liebe zur Musik also entfacht? Es begann im Jahr 1996, als ich 8 Jahre alt wurde und mir meine Eltern die Single “Quit playin’ games (with my heart)” der Backstreet Boys schenkten. Oh jaaaaaa!

 

Warum ich diese CD geschenkt bekommen habe, weiß ich nicht. Vielleicht, weil ich sie mir gewünscht habe, vielleicht fand meine Mama das Video auch ganz toll. Hmmm. Es mag nun stark nach Verleumdung und Schamgefühl klingen, aber das soll es nicht. Das waren eben die 90er und die Boygroups erhielten nach der Beatlemania ein spektakuläres Comeback. Ich war mittendrin und bei weitem nicht die Einzige! Ich war jung und unschuldig und somit verfiel ich dem Charme dieser American dream boys und wurde ein Fan. Diese Fanliebe sollte einige Jahre anhalten, bis ich langsam in das nächste Musikgenre katapultiert wurde. Was von den Backstreet Boys neben Kindheitserinnerungen übrig blieb, sind die Songtexte, welche ich bis heute zum Teil noch mitsingen kann und wahrscheinlich niemals aus meinem Bewusstsein verschwinden werden. Mein englischer Gesang mit gerade mal 8 Jahren war perfekt. Was gesungen wurde, wusste ich zu dem Zeitpunkt jedoch noch nicht. Vom Pophimmel, so süß und pink wie Zuckerwatte, in die abgrundtiefe Hölle des Rock ‘N’ Roll! Hell yeah!!! Okay, ganz so schnell konnte ich mich nicht von dieser klebrigen Zuckerwatte lösen, da von heute auf morgen ein 16 Jahre altes Mädchen in Schulunifrom uns allen den Kopf verdrehte. Britney Spears! Auf meiner Reise durch die Welt der Musik und auf dem Weg zur Endstation Rock ‘N’ Roll legte ich noch einen Zwischenstop an der Hip Hop Hasltestelle ein, der wiederum nur um die 2 Jahre andauern und mit einer innigen Liebe zu Eminem verbunden sein sollte. Meine allerste Berührung mit Hip Hop hatte ich mit Puff Daddy, der, wie wir alle wissen, alle gefühlte 2 Wochen seinen Namen ändert, heute Diddy und irgendwann wahrscheinlich einfach nur noch “D” heißt! Sein Song “Come with me”, den er zum Film “Godzilla” aus dem Jahr 1998 beitrug, eroberte mich sofort! Die kitschige Welt des Pop fing langsam an zu brökeln! Ich hatte Blut geleckt und fühlte mich durch die Klänge der Gitarren und des Schlagzeugs elektrisiert! Und somit wurde “Come with me” die allererste CD, die ich mir von meinem eigenen Taschengeld kaufte! Und ich liebe diesen Song noch genauso wie damals!

 

Mit der Jahrtausendwende kam der Anfang vom Ende. Musikalisch, wie auch privat. Von einem Tag auf den anderen wurde alles anders. Und genau einen Tag vor diesem einschneidenden Erlebnisses, holte ich mir die Jungs von Limp Bizkit in mein damaliges Kinderzimmer. “Rollin” wurde rauf und runter gespielt und nahm meinem Zimmer mit jeder weiteren gespielten Sekunde die kindlich unschuldige Aura. Es scheint, als wäre es meine Bestimmung gewesen mit Hilfe dieser dominanten Töne auf das vorbereitet zu werden, was mich am kommenden Tag erwarten sollte. Es war der letzte Tag der Sommerferien, als ich erfuhr, dass meine Eltern sich scheiden ließen. BÄM! Welch grandioser Start ins neue Schuljahr! Ich war damals 11 Jahre alt, konnte mich niemandem anvertrauen, da ich es nicht wollte und auch nicht wusste wie. Man kann von niemandem verlangen, versuchen zu verstehen, was in einem Scheidungskind vorgeht. Schon gar nicht von 11-jährigen Altersgenossen! Was macht man also, wenn man niemanden hat, mit dem man über seine Probleme reden kann? Man frisst sie in sich hinein und sucht nach Ablenkung. Was die Ablenkung betrifft, kann ich sagen, dass ich die Kurve gekriegt habe. Ich kenne Geschichten anderer Scheidungskinder, die durch Aggressivität, Drogen und Kriminalität nach Ablenkung, Aufmerksamkeit und Hilfe geschrien haben. Ich bin froh und sehr dankbar, dass ich diesen verzweifelten Weg nicht gegangen bin. Jedoch weiß ich sehr gut, dass es auch nicht in meiner Natur liegt. Ich leide still und leise. Ganz für mich. Das war schon immer so. Ich ließ die Musik für mich sprechen. MTV wurde zu meinem Retter, meinem Lebensinhalt. Ihr findet das klingt übertrieben? Das war es aber nicht! Ich sog alles, was auf MTV gespielt wurde, wie ein Schwamm auf. Es gab für mich nichts anderes mehr, als diese drei Buchstaben. Ich machte alles in Verbindung mit MTV. Ich erledigte meine Hausaufgaben während ich “Select MTV” schaute, öffnete alle Türen und drehte den Fernseher auf die höchstmögliche Lautstärke, wenn ich kleine Tätigkeiten im Haushalt erledigen musste und schaute am Wochenende “Jackass”, während meine Mama auf der Couch schlief. “Mach das leiser!!!”, war der Satz, den ich ab sofort täglich zu hören bekam. Gesteigert wurde dies durch mehrmalige Aufforderung im Jahr 2004, als ich zu Weihnachten diese monströse Musikanlage geschenkt bekam, welche durch ihre Bassstärke die Wände beben ließ. Ich glaube, meine Mama bereute es ungemein mir diese geschenkt zu haben. Meine Liebe zu Limp Bizkit ist bis heute ungebrochen! Ihr Album “Chocoalate Starfish And The Hot Dog Flavored Water” war im Jahr 2000 meine Rettung. Zum Glück verstehen meine Eltern nicht so gut Englisch, sodass sie es mir hätten verbieten können. Immerhin war ich gerade mal 11 Jahre alt!!! Soviel zum Thema “Parental Advisory Explicit Content”. Doesn’t really work in Germany, guys!

 

Im Jahr 2004 war es dann endgültig soweit, dem Pop und Hip Hop Lebwohl zu sagen und den Rock ‘N’ Roll willkommen zu heißen. Wer mir dabei half, war niemand Geringeres als DIE Punk-Rockband des Jahres 2004: Blink-182! Die drei Jungs aus Kalifornien, meldeten sich nach zweijähriger Schaffenspause mit ihrem gleichnamigen Album “blink-182” Ende 2003 zurück. Ich vernahm ihre erste Singleauskopplung “Feeling This”, schenkte dieser jedoch wenig Aufmerksamkeit. Als sie jedoch mit ihrer zweiten Single “I miss you” die Charts und auch mein Herz eroberten, war es um mich geschehen und ich wurde zu einem ultimativen Blink-182 Fan!!! Ich verfolgte alle ihre Auftritte im Fernsehen, las alle Interviews, die über sie veröffentlicht wurden und kaufte mir in null Komma nichts all ihre Alben, die sie bis dato veröffentlicht haben! Ihr Album “blink-182” gehört zu einem meiner absoluten Lieblingsalben, die ich mir je gekauft habe und niemals in meiner CD Sammlung missen möchte. Mit kaum einem anderen Album verbinde ich so viele Erinnerung, wie mit diesem. Sobald ich es höre, fühle ich mich zurück in den Sommer des Jahres 2004 versetzt. Seit dem Jahr kaufte ich mich dumm und dämlich, was Musik betraf! Meine Sammlung umfasst ungefähr 150 CD’s (plus minus). “Gib nicht immer so viel Geld für CD’s aus!”, hörte ich meine Mutter immer wieder aufs Neue sagen, wenn ich mir eine CD gekauft hatte. Ich wurde Stammkunde bei Amazon und hätte eigentlich eine Goldmedaille verdient! Daraufhin gab ich ihr immer wieder die gleiche Antwort, welche sie verstummen ließ: “Sei froh, dass ich mir keine Zigaretten kaufe!”. Match point!

 

Mit den Jahren habe ich mich vom Punk-Rock abgewendet und andere Facetten, des Rock ‘N’ Roll entdeckt. Ich höre viel Indie und Alternative, doch weiß eine gute Portion Rage Against The Machine noch immer zu schätzen. Durch Spotify und anderer Musikplattformen hat mein exzessiver Kauf von CD’s stark abgenommen. Bands werden nun auf Herz und Nieren geprüft, bevor ihr Album Einzug in meine Sammlung erhält. Es ist mir das Geld nicht wert, ein Album zu kaufen, auf welchem mir drei bis vier Lieder nicht gefallen und ich die Hälfte der Zeit nur damit verbringe, diese Songs zu skippen. Meine Liebe zu einzelnen Bands wandelt nun schneller als früher. Wobei ich früher einige Jahre damit verbracht habe einer gewissen Band meine 100%ige Aufmerksamkeit zu schenken, hat in den vergangenen Jahren stark abgenommen. Doch noch immer begeistere ich mich sehr stark für die ein oder andere Band, die mich in Sekundenschnelle in ihren Bann zieht! Somit gehörten Mumford & Sons zu meinen Lieblingen im Sommer 2012, die von The Neighbourhood (Sweater Weather ist einer meiner ultimativen Lieblingssongs aller Zeiten!!!) abgelöst wurden. Im Sommer 2013 überraschten, schockten und infizierten mich die Arctic Monkeys mit ihrem neuen Sound! Noch nie habe ich so fieberhaft auf ein Album gewartet, wie “AM”! Der Song “Do I wanna know” ist Sex pur!

 

 

Musik ist was Wundervolles und ich verbinde mit ihr die meisten Erinnerungen! Schon jetzt bin ich gespannt, welche Band mich als nächstes in ihren Bann ziehen wird! Ich habe meine Ohren gespitzt!

 

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