“Ich bin ein Berliner!”

DSCF5796Seit genau 10 Tagen lebe ich nun schon in Berlin! Wow! In Sekundenschnelle sind diese 240 Stunden mit nur einem Blinzeln vergangen. Zu schnell rauscht dieses wilde Großstadtleben an mir vorbei, ohne, dass ich in der Lage bin, eine Sekunde tief einzuatmen. Zu schnell, um den Moment zu genießen. Berlin ist schnell! Sehr schnell! Ganz nach dem Motto “Swim or sink” bleibt einem nichts anderes übrig, als sich diesem rasanten Tempo anzupassen. Nach zweitägigen Erschöpfungserscheinungen und einem 20 Sekundenschlaf in der Straßenbahn, merke auch ich (wenn auch nur ganz langsam), wie mein Körper sich zaghaft an diese Hektik anzupassen versucht. “Du gewöhnst dich daran.”, sagen mir meine Kollegen, sowie auch meine Mitbewohnerin, deren meine Müdigkeit nur schwer verborgen bleibt. Und ob ein tägliches Gefühl der Übermüdung nicht schon schlimm genug wäre, kommt als Krönung dieser Misere der Koffeinentzug hinzu! Welch ein Koffeinjunkie ich wirklich bin und wie unverzichtbar meine Kaffeemaschine für mich geworden ist, wurde mir erst in diesen vergangen 10 Tagen bewusst. Jeden Morgen schlendere ich an unzähligen Cafés vorbei und vernehme diesen himmlischen Duft, der mich leise “Mmmh…” flüstern lässt. Sicherlich wäre es einfach stehenzubleiben, das Portmonee zu zücken und der Versuchung nachzugeben, doch bin ich dafür viel zu sparsam! Demzufolge heißt es durchhalten und weiterhin leiden!

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Ein Gerücht welches ich sofort aus dem Weg räumen möchte, ist, dass es heißt Berliner wären unhöflich! Dem muss ich vehement widersprechen! Abgesehen davon, dass es in meinen Augen ein falsches Gerücht ist (unabhängig von einigen Ausnahmen), passt es auch überhaupt nicht zu dem Bild, welches ich und auch bestimmt jeder andere von Berlin hat. Berlin ist unglaublich tolerant. Und das muss es auch als Weltstadt! Mit einer Besucherzahl von mehr als 11 Millionen im Jahr, laufen einem persönlich täglich hunderte Touristen über den Weg, die mit ihren Stadtplänen in der Hand ab und an verloren wirken und Hilfe brauchen. Selbst ich zähle mich als frische Berlinerin noch zu den Touristin! Ganz besonders, wenn ich mich mit meinem großen Rucksack und meiner Kamera in den Straßen Berlins verliere. So oft es mich in den vergangenen Jahren hierher verschlagen hat, soviel weiß ich letztendlich über Berlin: nichts! Okay, das mag etwas übertrieben sein, aber mir wird bewusst, dass ich nur ungefähr 5% von dem kenne, was Berlin zu bieten hat! Ich bin wie die Nadel im Heuhaufen, die sich ihren Weg aus dem Ungewissen selbst erkämpfen muss. An jeder Ecke finde ich hilfreiche Menschen, die mir den Weg erklären, sowie liebenswerte Kollegen, die mir Bars, Clubs und das Berlin von morgen zeigen. Es ist nicht schwer neue Leute kennenzulernen, doch braucht es Zeit und Geduld. Berlin ist unglaublich bunt und erlangt immer mehr Beliebtheit bei Touristen aus aller Welt! Egal, wo ich mich befinde, es gibt Menschen um mich herum, die sich auf Englisch, Französisch, Spanisch und anderen Sprachen unterhalten. Berlin ist so kreativ und individuell. Auf meinem täglichen Arbeitsweg, der mich die Oberbaumbrücke passieren lässt und mich mit einem traumhaften Ausblick auf die Spree und den Fernsehturm belohnt, lausche ich unglaublich talentierten Musikern aus aller Welt. Ich beobachte junge Skater dabei, wie sie ihre neuen Kunststücke üben, während ich auf die nächste Straßenbahn warte. Es ist ein zweistündiger Arbeitsweg, den ich täglich hinter mich bringe, doch gibt es nichts Schöneres für mich, als diese Energien auf mich wirken zu lassen, um sie dann mit mir nach Hause zu nehmen.

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Berlin, du hast mich überrumpelt, doch bin ich gespannt, was du noch zu bieten hast!

 

 

Time for a (big) change!

“Fürchte dich nicht vor langsamen Veränderungen, fürchte dich vor dem Stillstand.”

“Ja, heute ist Montag!”, stelle ich mit einem kurzen Blick auf den Kalender fest. Momentan vertraue ich meinen ersten Gedanken nicht besonders, denn ich bin verwirrt. Durch den Wind. Und das ziemlich doll! Warum ich so verwirrt bin? Nun, heute beginnt ein ganz neues Leben für mich. In weniger als fünf Stunden befinde ich mich im Zug, auf dem Weg in meine neue Wahlheimat: Berlin! Neue Stadt, neuer Job (neues Glück?)! Big B is calling! Endlich! Ich bin meinem Ziel näher gekommen und das schneller, als ich es erwartet hätte. Rückblickend betrachte ich die vergangenen fünf Monate mit einem ungläubigen Kopfschütteln und Staunen zugleich! Es ist kaum zu begreifen, dass alles im Februar begonnen hat, im Mai Nägel mit Köpfen gemacht wurden, ich meinen alten Job kündigte und vor zwei Wochen eine WG gefunden habe! Alles wirkt wie ein Tagtraum, aus dem ich Angst habe aufzuwachen! Alles ging so rasend schnell (obwohl es mir anfangs nicht schnell genug gehen konnte) und verlief zu perfekt. “Ob es einen Haken an der ganzen Sache gibt…?”, fragte ich mich in den vergangen Monaten zu oft. Und den mag es wahrhaftig gegeben haben, so musste ich persönlich einen herben Rückschlag erleiden, welcher mir die Kraft nahm, mir Angst machte und mich alles in Frage stellen ließ. Wo Sonne ist, dort befindet sich eben auch Schatten! Doch ließ ich mich von diesem nicht einschüchtern! Die Wut und Verzweiflung mit einem lauten Schrei davongejagt, war es an der Zeit weiterzumachen und mein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Und das Kämpfen hat sich gelohnt!

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Habe ich Angst? Oh ja! Und das nicht zu wenig! Allerdings ist es menschlich und keinesfalls ein schlechtes Zeichen! Wir alle fürchten die Veränderung! Sobald wir aus unserer vertrauten Umgebung gerissen werden, und möge es am anderen Ende noch so rosig aussehen, begegnen wir unserer neuen und ungewissen Zukunft immer mit einer gewissen Portion Angst und Vorsicht! “Ob alles glatt gehen wird? Ob es so toll sein wird, wie ich es mir vorstelle? Was, wenn dem nicht so ist? Was, wenn etwas schief geht?” – Fragen über Fragen, die sich nur mit einem Satz beantworten lassen: Ich weiß es nicht! Ganz bewusst habe ich mich für diesen neuen Weg entschieden! Ich werde von null anfangen (mit fast 27 Jahren!)! Und ich muss ehrlich zugeben, dass ich es kaum erwarten kann! Nebst Angst und Vorsicht packt mich vor allem die pure Freude und Neugier auf all das, was noch vor mir liegt! Es wird etwas schief gehen, es wird Rückschläge und Enttäuschungen geben! Aber das ist okay, denn das ist das Leben! Nicht alles verläuft immer zu 100% perfekt und so, wie wir es uns vorstellen! Was also tun, wenn etwas schief geht? Ganz einfach: weitermachen! Hinfallen, aufstehen, sich den Schmutz abklopfen und weitermachen!

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Und warum auch nur über all das nachdenken, was schief gehen könnte, wenn es so viele Dinge gibt, die wundervoll, atemberaubend und unvergesslich sein werden? Denn das ist es doch, worauf es ankommt! Somit stürze ich mich ins Ungewisse, denn wie heißt es so schön: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

 

 

 

Die Sache mit dem Glück…

“Was ist Glück?”

Eine Frage, die sich wohlmöglich alle von uns insgeheim stellen und worauf es meist keine Antwort gibt. Falsch! Denn Glück empfindet jeder von uns auf eine andere Art und Weise. Aus diesem Grund ist es unsere alleinige Aufgabe, dieser Frage auf den Grund zu gehen, um unsere persönliche Antwort zu erhalten.

Alles fing damit an, als ich in der vergangenen Woche durch Zufall auf Maike van den Boom und ihrem Buch “Wo geht’s denn hier zum Glück?” aufmerksam geworden bin. Sofort packte mich die Neugier und ich wusste, dass ich dieses Buch unbedingt lesen musste! Maike van den Boom interessierte sich schon immer allgemein sehr für das Glück und machte sich im Jahr 2013 aufgrund eines Studienergebnisses der “World Database of Happiness” auf den Weg durch die 13 glücklichsten Länder unserer Erde, um genau dieser Frage auf den Grund zu gehen: “Was ist Glück?” und warum wir Deutschen uns leider nicht zu dieser glücklichen Zahl 13 dazuzählen können. Voller Euphorie habe ich das Buch am Hauptbahnhof in Berlin am vergangenen Sonntag entdeckt und sofort zu meinem Eigentum gemacht. Trotz zäher Müdigkeit und schweren Augen, fing ich an, es auf meiner Heimreise zu verschlingen. Und was soll ich sagen: ich bin begeistert! Dieses Buch macht mich persönlich schon während des Lesens (in Kombination mit dem neuen Florence + The Machine Album!) glücklich und regt stark zum Nachdenken an! Nun stellte auch ich mir diese philosophische Frage und versuchte darauf eine Antwort zu finden. Oder habe ich sie vielleicht schon längst gefunden?DSCF5721

Glück ist eine Lebenseinstellung! Der Ansicht war ich schon immer. Meine engsten Freunde, so wie meine Familie wissen, welch positiv denkender Mensch ich bin. Besonders bewundert meine Mutter mich dafür, mit welcher Einstellung ich tagtäglich aufs Neue in dieses so komplizierte Leben stürze. Doch so kompliziert ist dieses wunderbare Leben nicht. Wir Menschen sind diejenigen, die es erst kompliziert machen! Es ist schwer sich das Glück anzutrainieren, man kann jedoch daran arbeiten, was wiederum heißen mag, dass es harte Arbeit ist, glücklich zu sein. Ganz so streng würde ich es nicht sehen, dennoch muss man sich manchmal förmlich dazu zwingen glücklich zu sein und gewisse Dinge mit Humor zu nehmen und nicht allzu verbissen zu sehen. Denn sind wir mal ehrlich, entstehen die meisten Krankheiten in unserem Kopf und durch unsere Psyche, die unter Umständen dadurch negativ belastet ist. Denkt jetzt aber bitte nicht, dass ich den ganzen Tag mit dem größten Lächeln durch die Welt spaziere! Ganz im (kleinsten) Gegenteil! Ich bin sehr temperamentvoll und emotional und rege mich zu schnell sehr gerne über die kleinsten Ärgernisse auf, die mir den Verstand rauben. “Dampf ablassen”, wie ich es gerne nenne, denn auch Frust staut sich an und macht alles schlimmer, wenn man ihm nicht gestattet Raum zu gewinnen! Sowas macht auf keinen Fall glücklich und verursacht unnötigen Stress! Man sollte nur das gesunde Mittelmaß finden. Es ist definitiv eine Charaktereigenschaft, die ich nicht an mir mag, mit der ich aber gelernt habe umzugehen und vor allem zu leben. Ich bin, wie ich bin und kann dies nicht ändern, aber verbessern. Dass man nicht immer glücklich sein kann, ist nichts Schlechtes, ganz im Gegenteil, es ist menschlich.

Woher aber kommt meine positive Lebenseinstellung? Um ehrlich zu sein, kann ich es mir auch nicht erklären. Ich bin der festen Überzeugung, dass ich so geboren wurde. Manche Menschen bekommen zum Beispiel eine extra Portion Wissen mit auf den Weg, eine überaus unfassbare Begabung und manche eben den siebten Sinn für Glück. Und ich bin die Glückliche, die zu denjenigen gehört. Was also tun, wenn man eher pessimistisch ist? Nun, jeder Mensch ist anders und ich nehme mir auch nicht das Recht jemandem zu sagen, dass er auf Knopfdruck doch mal etwas glücklicher sein soll. Weder kenne ich sein bisheriges Leben, noch ihn als Person. Doch möchte ich jedem ans Herz legen, dass man es versuchen kann! Nicht auf Knopfdruck und nicht einfach so, aber zumindest Schritt für Schritt. Wir müssen uns bewusst werden, dass wir nur dieses eine Leben geschenkt bekommen haben! Eine Chance, die wir nutzen sollten, um rückblickend sagen zu können, dass es wundervoll war und doch nicht so kompliziert, wie alle sagen! Also geht raus, lebt, liebt, fühlt, riskiert, wagt und seid dabei vor allem nur eins: GLÜCKLICH!

“Was bedeutet Glück für mich?”

Glück hat für mich so viele Bedeutungen. Es fängt mit den kleinen Dingen des Lebens an, die uns auf Dauer das Gefühl des puren Glücks bringen, über Glücksmomente, welche nur von bestimmter Dauer sind, jedoch nie vergessen, bis zum übernatürlichen Glück, welches kaum zu begreifen erscheint. Glück ist, Familie und Freunde zu haben, die stets für mich da sind. Die Familie, wie auch unsere Freunde, sollten der grundlegende Stein und Mittelpunkt unseres Glücks sein, denn sie machen uns zu dem Menschen, der wir sind. Sie beflügeln uns, geben uns Kraft, öffnen uns die Augen und holen uns auf den Boden der Tatsachen zurück. Sie sind die ehrlichsten Menschen, die wir kennen. Sie kennen unsere schönsten und hässlichsten Seiten, unsere Stärken und Schwächen. Ein Leben ohne sie wäre unerträglich, einsam und überaus unglücklich. Sie sind die stärkenden Säulen, die unser Leben stützen! Seien wir also dankbar für die Menschen, welche wir unsere Familie und Freunde nennen dürfen! Mit ihnen teile ich auch alle Momente des Glücks, seien sie auch noch so unbedeutend.

Es gibt unzählige Dinge, die mich glücklich machen. Es macht mich glücklich mit meiner besten Freundin auf der Couch zu liegen, Mädchengespräche zu führen und in alten Erinnerungen zu schwelgen. Es macht mich glücklich bei meinem Lieblingsitaliener mein Leibgericht mit einem Glas Wein zu genießen. Es macht mich glücklich, wenn ich den lieben langen Tag Musik hören und schreiben kann. Es macht mich glücklich, wenn ich fotografieren kann. Es macht mich glücklich, wenn ich auf Konzerte gehe. Es macht mich (neuerdings) glücklich, frische Blumen zu kaufen. Es macht mich glücklich, Achterbahn zu fahren. Es macht mich glücklich, wenn ich an mein nächstes Reiseziel denke. Es macht mich glücklich, wenn ich diesen Geruch von frisch gedruckten Büchern in der Nase vernehme. Es macht mich glücklich, wenn ich in frisch gewaschener Bettwäsche schlafe. Es macht mich glücklich, wenn der Frühling kommt. Es macht mich glücklich, wenn der Herbst kommt. Es macht mich glücklich, wenn im Sommer abends die Sonne scheint und es regnet. Es macht mich glücklich, wenn ich mir meine Zukunft ausmale. Und das ganz bunt! Es macht mich glücklich, glücklich zu sein. Und es macht mich glücklich, wenn andere glücklich sind!

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Es gibt so unendlich viele Dinge, die uns glücklich machen. Natürlich macht es mich glücklich, dass ich mir ein Macbook gekauft habe. Natürlich macht es mich glücklich, dass ich mir teures Make-up geleistet habe. Natürlich macht es mich glücklich, dass ich mir eine neue Kamera erworben habe. All diese materiellen Dinge machen glücklich! Aber das nicht auf Dauer, denn sie sind vergänglich, nicht für die Ewigkeit bestimmt und somit kein Schutz beständigem Glücks. Umso wichtiger ist es, dass wir kleinen Dingen, und mögen sie auch noch so unbedeutend wirken, unsere größte Aufmerksamkeit und Liebe schenken, denn sie sind es, die das große Glück ausmachen! Also atmet tief durch, schließt eure Augen und denkt an die wahren Dinge, die euch glücklich machen! Und sei es auch nur das Eis, das ihr um die Ecke bei der Eisdiele bekommt und in der prallen Sommersonne genießt.

“Bin ich glücklich?”

JA! Und das sage ich ganz bewusst und ohne nachzudenken! Ich habe keinerlei Gründe, dass ich es nicht sein könnte. Ich bin gesund und habe eine liebevolle Familie und wunderbare Freunde. Gerade in diesem Moment, mache ich das, was mich mit am meisten glücklich macht und wofür ich leider nie genügend Zeit finde: schreiben. Darüber hinaus befinde ich mich in einer der stärksten Veränderungsphasen meines Lebens. In genau zwei Wochen fange ich ein komplett neues Leben an. Neue Stadt, neuer Job = neues Glück? JA! Und obwohl der Mensch ein Gewohnheitstier ist und mit Veränderungen so seine Schwierigkeiten hat, so sehr bestärkt bin ich, dass dieser neue Weg für mich bestimmt ist! Ich bin dankbar und mehr als glücklich darüber, dass mein Leben diese langersehnte Wendung nimmt. Und dies ist erst der kleine Anfang vom ganz großen Glück!

Und was ist mit euch? Seid ihr glücklich? Und wenn die Antwort “Nein” sein sollte, fragt euch, warum es das ist und wie ihr es ändern könnt, denn das Leben ist zu kurz, um unglücklich zu sein!

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Die Sache mit der Musik …

Könnt ihr euch noch an die allererste CD erinnern, die ihr geschenkt bekommen habt? Oder an die, die ihr euch von eurem eigenen Taschengeld gekauft habt? Ich kann mich sehr gut an diese Momente erinnern, denn sie waren für mich das Größte! Die Musik war schon immer etwas Besonderes für mich. Sobald die ersten Klänge eines Liedes ertönen, dem ich voll und ganz verfallen bin, ist es wie ein Rausch, aus dem ich nur schwer wieder herauskomme. Ich fühle mich wie eine abgeschwächte Version Joe Cockers, in dem ich mit den Zehen und Fingern anfange zu zucken, als würde ich die Instrumente allesamt selbst spielen. Stundenlang sitze ich an meinem Laptop, auf der Suche nach dem größten Song aller Zeiten! Und das manchmal tagelang, abgeschnitten von der Außenwelt. Habe ich dadurch Angst etwas zu verpassen? Ganz im Gegenteil! Ich war schon immer mehr Einzelgänger als Herdentier. Und in musikalischer Hinsicht befinde ich mich in perfekter Gesellschaft. Wie wurde meine Liebe zur Musik also entfacht? Es begann im Jahr 1996, als ich 8 Jahre alt wurde und mir meine Eltern die Single “Quit playin’ games (with my heart)” der Backstreet Boys schenkten. Oh jaaaaaa!

 

Warum ich diese CD geschenkt bekommen habe, weiß ich nicht. Vielleicht, weil ich sie mir gewünscht habe, vielleicht fand meine Mama das Video auch ganz toll. Hmmm. Es mag nun stark nach Verleumdung und Schamgefühl klingen, aber das soll es nicht. Das waren eben die 90er und die Boygroups erhielten nach der Beatlemania ein spektakuläres Comeback. Ich war mittendrin und bei weitem nicht die Einzige! Ich war jung und unschuldig und somit verfiel ich dem Charme dieser American dream boys und wurde ein Fan. Diese Fanliebe sollte einige Jahre anhalten, bis ich langsam in das nächste Musikgenre katapultiert wurde. Was von den Backstreet Boys neben Kindheitserinnerungen übrig blieb, sind die Songtexte, welche ich bis heute zum Teil noch mitsingen kann und wahrscheinlich niemals aus meinem Bewusstsein verschwinden werden. Mein englischer Gesang mit gerade mal 8 Jahren war perfekt. Was gesungen wurde, wusste ich zu dem Zeitpunkt jedoch noch nicht. Vom Pophimmel, so süß und pink wie Zuckerwatte, in die abgrundtiefe Hölle des Rock ‘N’ Roll! Hell yeah!!! Okay, ganz so schnell konnte ich mich nicht von dieser klebrigen Zuckerwatte lösen, da von heute auf morgen ein 16 Jahre altes Mädchen in Schulunifrom uns allen den Kopf verdrehte. Britney Spears! Auf meiner Reise durch die Welt der Musik und auf dem Weg zur Endstation Rock ‘N’ Roll legte ich noch einen Zwischenstop an der Hip Hop Hasltestelle ein, der wiederum nur um die 2 Jahre andauern und mit einer innigen Liebe zu Eminem verbunden sein sollte. Meine allerste Berührung mit Hip Hop hatte ich mit Puff Daddy, der, wie wir alle wissen, alle gefühlte 2 Wochen seinen Namen ändert, heute Diddy und irgendwann wahrscheinlich einfach nur noch “D” heißt! Sein Song “Come with me”, den er zum Film “Godzilla” aus dem Jahr 1998 beitrug, eroberte mich sofort! Die kitschige Welt des Pop fing langsam an zu brökeln! Ich hatte Blut geleckt und fühlte mich durch die Klänge der Gitarren und des Schlagzeugs elektrisiert! Und somit wurde “Come with me” die allererste CD, die ich mir von meinem eigenen Taschengeld kaufte! Und ich liebe diesen Song noch genauso wie damals!

 

Mit der Jahrtausendwende kam der Anfang vom Ende. Musikalisch, wie auch privat. Von einem Tag auf den anderen wurde alles anders. Und genau einen Tag vor diesem einschneidenden Erlebnisses, holte ich mir die Jungs von Limp Bizkit in mein damaliges Kinderzimmer. “Rollin” wurde rauf und runter gespielt und nahm meinem Zimmer mit jeder weiteren gespielten Sekunde die kindlich unschuldige Aura. Es scheint, als wäre es meine Bestimmung gewesen mit Hilfe dieser dominanten Töne auf das vorbereitet zu werden, was mich am kommenden Tag erwarten sollte. Es war der letzte Tag der Sommerferien, als ich erfuhr, dass meine Eltern sich scheiden ließen. BÄM! Welch grandioser Start ins neue Schuljahr! Ich war damals 11 Jahre alt, konnte mich niemandem anvertrauen, da ich es nicht wollte und auch nicht wusste wie. Man kann von niemandem verlangen, versuchen zu verstehen, was in einem Scheidungskind vorgeht. Schon gar nicht von 11-jährigen Altersgenossen! Was macht man also, wenn man niemanden hat, mit dem man über seine Probleme reden kann? Man frisst sie in sich hinein und sucht nach Ablenkung. Was die Ablenkung betrifft, kann ich sagen, dass ich die Kurve gekriegt habe. Ich kenne Geschichten anderer Scheidungskinder, die durch Aggressivität, Drogen und Kriminalität nach Ablenkung, Aufmerksamkeit und Hilfe geschrien haben. Ich bin froh und sehr dankbar, dass ich diesen verzweifelten Weg nicht gegangen bin. Jedoch weiß ich sehr gut, dass es auch nicht in meiner Natur liegt. Ich leide still und leise. Ganz für mich. Das war schon immer so. Ich ließ die Musik für mich sprechen. MTV wurde zu meinem Retter, meinem Lebensinhalt. Ihr findet das klingt übertrieben? Das war es aber nicht! Ich sog alles, was auf MTV gespielt wurde, wie ein Schwamm auf. Es gab für mich nichts anderes mehr, als diese drei Buchstaben. Ich machte alles in Verbindung mit MTV. Ich erledigte meine Hausaufgaben während ich “Select MTV” schaute, öffnete alle Türen und drehte den Fernseher auf die höchstmögliche Lautstärke, wenn ich kleine Tätigkeiten im Haushalt erledigen musste und schaute am Wochenende “Jackass”, während meine Mama auf der Couch schlief. “Mach das leiser!!!”, war der Satz, den ich ab sofort täglich zu hören bekam. Gesteigert wurde dies durch mehrmalige Aufforderung im Jahr 2004, als ich zu Weihnachten diese monströse Musikanlage geschenkt bekam, welche durch ihre Bassstärke die Wände beben ließ. Ich glaube, meine Mama bereute es ungemein mir diese geschenkt zu haben. Meine Liebe zu Limp Bizkit ist bis heute ungebrochen! Ihr Album “Chocoalate Starfish And The Hot Dog Flavored Water” war im Jahr 2000 meine Rettung. Zum Glück verstehen meine Eltern nicht so gut Englisch, sodass sie es mir hätten verbieten können. Immerhin war ich gerade mal 11 Jahre alt!!! Soviel zum Thema “Parental Advisory Explicit Content”. Doesn’t really work in Germany, guys!

 

Im Jahr 2004 war es dann endgültig soweit, dem Pop und Hip Hop Lebwohl zu sagen und den Rock ‘N’ Roll willkommen zu heißen. Wer mir dabei half, war niemand Geringeres als DIE Punk-Rockband des Jahres 2004: Blink-182! Die drei Jungs aus Kalifornien, meldeten sich nach zweijähriger Schaffenspause mit ihrem gleichnamigen Album “blink-182” Ende 2003 zurück. Ich vernahm ihre erste Singleauskopplung “Feeling This”, schenkte dieser jedoch wenig Aufmerksamkeit. Als sie jedoch mit ihrer zweiten Single “I miss you” die Charts und auch mein Herz eroberten, war es um mich geschehen und ich wurde zu einem ultimativen Blink-182 Fan!!! Ich verfolgte alle ihre Auftritte im Fernsehen, las alle Interviews, die über sie veröffentlicht wurden und kaufte mir in null Komma nichts all ihre Alben, die sie bis dato veröffentlicht haben! Ihr Album “blink-182” gehört zu einem meiner absoluten Lieblingsalben, die ich mir je gekauft habe und niemals in meiner CD Sammlung missen möchte. Mit kaum einem anderen Album verbinde ich so viele Erinnerung, wie mit diesem. Sobald ich es höre, fühle ich mich zurück in den Sommer des Jahres 2004 versetzt. Seit dem Jahr kaufte ich mich dumm und dämlich, was Musik betraf! Meine Sammlung umfasst ungefähr 150 CD’s (plus minus). “Gib nicht immer so viel Geld für CD’s aus!”, hörte ich meine Mutter immer wieder aufs Neue sagen, wenn ich mir eine CD gekauft hatte. Ich wurde Stammkunde bei Amazon und hätte eigentlich eine Goldmedaille verdient! Daraufhin gab ich ihr immer wieder die gleiche Antwort, welche sie verstummen ließ: “Sei froh, dass ich mir keine Zigaretten kaufe!”. Match point!

 

Mit den Jahren habe ich mich vom Punk-Rock abgewendet und andere Facetten, des Rock ‘N’ Roll entdeckt. Ich höre viel Indie und Alternative, doch weiß eine gute Portion Rage Against The Machine noch immer zu schätzen. Durch Spotify und anderer Musikplattformen hat mein exzessiver Kauf von CD’s stark abgenommen. Bands werden nun auf Herz und Nieren geprüft, bevor ihr Album Einzug in meine Sammlung erhält. Es ist mir das Geld nicht wert, ein Album zu kaufen, auf welchem mir drei bis vier Lieder nicht gefallen und ich die Hälfte der Zeit nur damit verbringe, diese Songs zu skippen. Meine Liebe zu einzelnen Bands wandelt nun schneller als früher. Wobei ich früher einige Jahre damit verbracht habe einer gewissen Band meine 100%ige Aufmerksamkeit zu schenken, hat in den vergangenen Jahren stark abgenommen. Doch noch immer begeistere ich mich sehr stark für die ein oder andere Band, die mich in Sekundenschnelle in ihren Bann zieht! Somit gehörten Mumford & Sons zu meinen Lieblingen im Sommer 2012, die von The Neighbourhood (Sweater Weather ist einer meiner ultimativen Lieblingssongs aller Zeiten!!!) abgelöst wurden. Im Sommer 2013 überraschten, schockten und infizierten mich die Arctic Monkeys mit ihrem neuen Sound! Noch nie habe ich so fieberhaft auf ein Album gewartet, wie “AM”! Der Song “Do I wanna know” ist Sex pur!

 

 

Musik ist was Wundervolles und ich verbinde mit ihr die meisten Erinnerungen! Schon jetzt bin ich gespannt, welche Band mich als nächstes in ihren Bann ziehen wird! Ich habe meine Ohren gespitzt!

 

Die Sache mit dem Valentinstag…

“Oh shit! Heute ist Valentinstag! Und shit, ich bin Single!”

Heute ist der Tag, an dem auf Hochtouren rumgeschnulzt werden darf. Und das in aller Öffentlichkeit! Es werden so viele rote Rosen verkauft wie an keinem anderen Tag im Jahr (allein im Jahr 2013 wurden 1.000 Tonnen rote Rosen nach Deutschland via Lufthansa Cargo transportiert!). Überall ist man von Pralinen, Herzluftballons und Valentinstagskarten umgeben, die nur so vor Liebesschwüren strotzen. “Love is in the air!” und das überall. Auch im Radio! Was hat es also mit diesem so wundervoll und doch so aufgesetzt romatischem Tag auf sich? Woher stammt dieser Brauch und warum wird er immer größer und beliebter?

Wie bei den meisten Feiertagen, die wir heute zelebrieren, hat auch an dem Tag der Liebenden die gute alte Kirche ihre Finger im Spiel. Im 3. Jahrhundert gab es einen Bischhof namens Valentin von Terni, welcher Brautpaaren, darunter auch Soldaten, seinen Seegen gab und diese mit Blumen aus seinem eigenen Garten beschenkte. Die Ehen, die von ihm geschlossen wurden, sollen unter einem guten Stern gestanden haben. Leider empfand die Kirche dies anders, da die Ehen, die durch Valentin von Terni geschlossen wurden, nach kaiserlichem Befehl damals unverheiratet bleiben mussten. Demnach bezahlte Valentin seine gütigen Dienste im Namen der Liebe mit seinem Leben und wurde auf Befehl des Kaisers Claudius II. am 14. Februar 269 wegen seines christlichen Glaubens hingerichtet. Wenn das mal nicht unromantisch blöd gelaufen ist. Schade, dass es damals noch keine White Chapel im verrückten Vegas gab. Ich bin mir sicher, dass Valentin seinen Kopf lieber gegen einen weißen Overall und ein Mikro getauscht hätte. “Love me tender, love me sweet” a la Elvis performed by Valentin von Terni!

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Es sollte noch einige Jahrhunderte dauern, bis dieser Tag des Blutvergießens an Popularität gewann und in vielen Ländern der Welt auf die Art und Weise zelebriert wird, wie wir ihn heute kennen. Den ersten Schritt wagten die Engländer, die schon im 15. Jahrhundert den Valentinstag feierten, in denen sich Valentinspaare kleine Aufmerksamkeiten wie Geschenke oder Gedichte machten. Im 19. Jahrhundert kam es zu dem Brauch, dass sich Liebespaare gegenseitig verzierte Karten schickten. Die Schnulzenader fing an immer lauter zu pulsieren und ein Brauch der Romantik war dabei geboren zu werden. Perfektioniert und übertrieben werden konnte dieser Tag Dank englischer Auswanderer nur von einer ganz bestimmten Bevölkerungsgruppe, die Kitsch liebt und jeden Feiertag mit einem Aufwand feiert, als wäre es ein Wettkampf, der leichte Anzeichen eines Krieges hat: Den Amerikanern! Big, bigger, USA! So auch an Valentinstag. Schon Wochen, bevor das eigentliche Kitschspektakel stattfindet, wird man von rosarfarbenen Flutwellen in Form von Karten, Cupcakes, Blumen und allem, was einem Hauch von Valentinsromantik verpasst werden kann, überrollt. In diesen Zeiten hat man wortwörtlich die rosarote Brille auf. Da hilft auch kein Blinzeln, in der Hoffnung, dass es nur Einbildung ist. Dieser rosa Schleier ist real! Valentintstag wird in den USA von allen Altersgruppen gefeiert. So werden Kinder von ihren Klassenkameraden in der Schule mit Süßigkeiten überhäuft, welch Masse an ein zuckersüßes Halloween erinnert. Die Hexen brauen keinen Todespunch, sondern einen Liebestrank und Totenköpfe werden gegen weiße Plüschhäschen ausgetauscht. Nach dem zweiten Weltkrieg fand mit Hilfe US-Soldaten der Valentinstag auch seinen endgültigen Einzug im westlichen Teil Deutschlands. Thanks guys! Und natürlich rochen Floristen und große Süßwarenhersteller das lukrative Geschäft und kurbelten vor dem 14. Februar zukünftig ordentlich die Werbetrommel. Der Valentinstag war offiziell geboren! Doch warum? Warum lassen wir uns von all diesen Herzen, prächtigen Blumen und diesen abscheulichen Stofftieren hinreißen? Warum lassen wir uns gerade an diesem Tag dazu verleiten unseren Liebsten eine Überraschung zu machen, uns für ihre Liebe zu uns erkenntlich zu zeigen, wenn wir es doch jeden Tag machen könnten? Es ist ganz einfach:

Weil wir käuflich sind!

Wir sind beeinflussbar. Verzauberbar. Mögen es vielleicht gerne abstreiten, dass dieser Valentintstag nur eine Erfindung großer Firmen sei, um Geld zu verdienen. Nur eine romantische 24 Stundenillusion, die erst wieder in 365 Tagen intensiv stattfinden wird. Doch ist dies nicht eine der schönsten Erfindungen, um uns Menschen um den Finger zu wickeln? Wir wurden mit Liebe geködert! Wir werden daran erinnert an diesem ganz besonderen Tag an die Menschen zu denken, die wir lieben und die unser Lebensinhalt sind. Und dank all der Werbung, der Herzluftballons und Lovesongs gibt es keine Entschuldigung dafür, dass man diesen 14. Februar vergessen haben könnte! Also kauft den schönsten Strauß Rosen, den ihr für die wichtigste Frau in eurem Leben finden könnt und überhäuft sie mit Liebesschwüren, die sie wie Schokolade in der Sonne dahinschmelzen lassen! Und was die Männer betrifft, nun, das ist schwer. Jedoch würde kein Mann zu einem Candle Light Dinner nein sagen, welches ihm von seiner Teuersten in sexy Dessous serviert werden würde (Zwinker). Sagt euren Herzmenschen, dass ihr sie liebt, denn darauf kommt es an! Und eigentlich ist der Valentinstag doch ganz toll! Happy Valentine’s Day!

 

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Mein liebster Valentinsbrauch ist übrigens der japanische. Am 14. Februar schenken japanische Mädchen und Frauen ihrem Liebsten Schokolade, wofür sie am 14. März, dem sogenannten “White Day”, weiße Schokolade als Gegengeschenk bekommen. Einfach süß!

 

Die Sache mit der Rückkehr…

Heute in genau zwei Monaten fliege ich zurück in meine Wahlheimat Washington DC! Verrückt! Ich kann es kaum glauben, wie schnell die Zeit vergangen ist und tagtäglich im gefühlten Sekundentakt förmlich an mir vorbeirast (es ist bald März!)! Das Jahr 2015 wirkt schon jetzt unglaublich magisch auf mich, denn meine Einstellung zu meiner Vergangenheit und auch Zukunft hat sich immens verändert. Zum Glück! Ich trauere nicht mehr meiner Vergangenheit hinterher, schwelge in alten Erinnerungen, bis ich in ihnen drohe zu ertrinken. Ich blicke nach vorne, gespannt auf das, was mich erwartet. Neue Abenteuer, Herausforderungen sind da draußen und warten darauf von mir erobert und gelebt zu werden!

Das Jahr 2014 war meine persönliche Hölle! Ich habe diesem Jahr von Anfang an keine Chance gegeben, habe es verflucht und vielleicht durch all diese Gründe solch eine schwere Zeit gehabt! Man könnte meinen, ich hätte mir mein eigenes Grab geschaufelt und so fühlte es sich tatsächlich auch an! Ich fühlte mich eingesperrt, konnte keinen Ausweg finden, wie ich diesem emotionalen Elend entfliehen konnte. Wann immer ich dachte, ich hätte es endlich geschafft, gab es diesen heftigen Rückschlag, der mich wie eine kalte Hand des Grauens zurück in dieses furchtbare Grab zog! Hätte ich ein Mittel gefunden, es irgendwie aufzuhalten, dann hätte ich es damals getan, denn dieser emotionale Tsunami, der auf mich zukommen sollte, hatte mich schlimmer getroffen, als ich es erwartete, oder mir in meinen schlimmsten Träumen ausgemalt hatte!

14. Mai 2014. D-Day, wie ich ihn nenne, denn es herrschte Krieg in meinem Herzen. Dies war der Tag, an dem es hieß Abschied zu nehmen. Abschied von all den Menschen, die ich während dieser zwei Jahre lieben gelernt habe und meine Familie nenne! Es ist kaum in Worte zu fassen, wie unfassbar schmerzvoll es ist, sich von geliebten Menschen zu verabschieden, mit denen man jeden einzelnen dieser 730 Tage verbracht hat! Ich hatte mir ein ganz neues Leben aufgebaut, welches mir von einem Tag auf den anderen genommen und beendet wurde. Einfach so! Und ich konnte nichts dagegen tun. Es war Zeit für mich nach Hause zu fliegen, zurück nach Deutschland, zu meiner Familie und meinen Freunden. Jedoch fühlte sich all das nicht mehr wie mein Zuhause an. Zwei Jahre war es her, als ich deutschen Boden gegen amerikanischen eingetauscht hatte. Wenn ich nun an meine Heimat dachte, kam es mir befremdlich vor. Ich wollte nicht zurück, ich konnte es nicht. Der Abschied am Flughafen war das Schlimmste, was ich jemals erlebt habe. Es ist erstaunlich, was ein Mensch fähig ist zu ertragen, ohne elendig zusammenzubrechen. Es ist, als würde das Herz auf Standby gesetzt. Man funktioniert einfach nur noch. An den 7 stündigen Flug kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich hatte eine Schlaftablette zu mir genommen, kurz bevor wir starteten. Ich saß neben einem Ehepaar und versuchte meine Tränen zurückzuhalten, was mir nicht gelang. Ich vergrub mein Gesicht in das kleine Kissen, auf dem ein isländisches Kinderlied gedruckt war (ich flog mit Iceland Airways) und schloss meine Augen. Ich vernahm ein unerträgliches Pochen in meinen Augen und musste feststellen, dass sie auf die Größe von Tomaten angeschwollen waren, als ich sie berührte. Nach kürzester Zeit merkte ich, wie sich mein Puls verlangsamte, ich ruhiger wurde. Schlafen konnte ich jedoch nicht. Ich saß einfach nur da, betäubt von dieser winzigen Schlaftablette, die mir all meine Erinnerung an diesen unerträglich langen Flug nahm, der mich wie eine Gefangene zurück nach Hause bringen sollte. Ich wollte einfach nur, dass es endlich vorbei war!

“Sehr geehrte Damen und Herren, in kürzester Zeit erreichen wir Hamburg…”, hörte ich den Kapitän sagen, als ich langsam meine Augen öffnete, um aus dem Fenster zu schauen. Das Wetter in Deutschland wirkte grau und kalt und passte daher perfekt zu meiner Gefühlslage. Geschafft. Ich hatte den Flug mit einem kurzen Zwischenstop in Island hinter mich gebracht. Als ich diese weite Strecke in meinem Kopf Revue passieren ließ, schossen mir sofort Tränen in die Augen, geschockt über die Tatsache, durch wieviele tausende Kilometer ich von all meinen Liebsten nun getrennt war. Eine schreckliche Vorstellung! Ich begab mich zum Gepäckband und stellte erfreulich fest, dass all meine drei Koffer diese lange Reise unversehrt überlebt und mit Sicherheit nicht so sehr gelitten haben wie ich es tat. Nachdem ich sie auf einen Gepäckwagen legte, begab ich mich zum Ausgang, gespannt darauf meine beste Freundin nach zwei Jahren wieder in meine Arme zu schließen! Man darf mich nicht falsch verstehen, denn es war nicht so, dass ich mich überhaupt nicht auf all meine Liebsten in der Heimat freute! Es war nur ungerecht, dass ich etwas aufgeben musste, um etwas anderes dafür zurückzubekommen.

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Das Wiedersehen mit meiner besten Freundin war unglaublich toll, jedoch anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich wollte sie mit Freudentränen in meine Arme schließen und ihr sagen, wie sehr sie mir gefehlt hatte, doch ich konnte es nicht. Zu sehr war ich erschöpft von der Reise, die ich hinter mir hatte. Zu sehr war ich noch immer verletzt und traurig über den Abschied, den ich in den USA über mich ergehen lassen musste. Zu unrealistisch fühlte es sich für mich an, wieder zurück in Deutschland zu sein. Kurzum: Ich war überwältigt, überfordet und befand mich von dem Moment an im kompletten Ausnahmezustand! Und dieser sollte einige Monate andauern. Meine beste Freundin hatte auch eine Überraschung für mich parat und wartete zusammen mit meiner anderen besten Freundin gemeinsam darauf mich willkommen zu heißen! Als wir uns auf den Weg zum Auto machten, fühlte ich mich wie ein Alien. Alles kam mir anders vor und überhaupt nicht vertraut. “Aber das ist doch dein Zuhause…”, war ein Satz, den ich in den kommenden Wochen und Monaten zu hören bekam. Natürlich ist es mein Zuhause und nichts hatte sich verändert. Aber ich hatte mich verändert! Und ich wusste, dass es mir mit meiner Rückkehr erst bewusst wird, wie sehr ich mich verändert hatte. Die nächsten 24 Stunden durchlebte ich in einer Art Trance. Ich war da, aber nicht anwesend. An die Gespräche, die meine Freundinnen und ich führten, kann ich mich nicht mehr erinnern. Es gab diese Momente, in denen ich laut lachte und es gab diese Momente, die mich zusammenbrechen und in den Schlaf weinen ließen. Ich wollte alleine sein und war froh, dass ich es nicht war.

Am nächsten Tag war es für mich an der Zeit nach Hause zu fahren und meine Mama an ihrem Geburtstag zu überraschen. Sie hatte nicht die leiseste Ahnung, dass dieser Tag sich für immer in ihre Erinnerung brennen würde! Meine Mama dachte, ich würde am 28. Mai nach Hause kommen und hatte mich einige Male darum gebeten, ob ich nicht schon zu ihrem Geburtstag nach Hause kommen könnte und sie sie sich so sehr darüber freuen würde. Ich sagte ihr immer wieder, dass ich die letzten Wochen meines amerikanischen Lebens genießen möchte und ich ihren nächsten Geburtstag mit ihr verbringen werde. Ich konnte die Enttäuschung in ihrem Gesicht sehen und auch nachvollziehen. Es war sehr schwer diese Überraschung für mich zu behalten. Dieser Moment des Wiedersehens war jedoch unbezahlbar und einer der schönsten Momente meines und ihres Lebens! Egal wie alt man ist, wir alle sind wieder Kind, wenn wir in den Armen unserer Mütter liegen! Eine der schönsten Umarmungen, die es gibt. Während ich Angst hatte, dass meine Mama vor Schreck ohnmächtig würde, stand meinem Papa erst der Schock und dann pure Freude ins Gesicht geschrieben. Immer wieder drückte er mich, fassunglos darüber, dass seine kleine Tochter endlich wieder zurück ist. Ich bin etwas traurig, dass ich dieses Wiedersehen nicht auf die gleiche Art und Weise genießen konnte wie sie es taten.

Die kommenden Monate waren sehr hart. Die schlimmste Achterbahnfahrt der Gefühle, die man sich vorstellen konnte. Dabei mag ich Achterbahnen. Ich verschanzte mich in meinem Zimmer, sehnte mich nach Einsamkeit. Meine Mama hatte am meisten darunter zu leiden. “Ich erkenne dich nicht wieder. Du machst mir Angst…”, sagte sie mir. Und auch ich hatte Angst. Ich hatte unheimliche Angst davor, den Weg aus dieser Hölle nicht herauszufinden, für immer in ihr gefangen zu sein. Manche Tage verbrachte ich im Bett, weinend, während draußen die Sonne schien und das Leben seinen Lauf nahm. In den ersten vier Wochen versuchte ich meine Zukunft zu formen, welches mir auch gelang, mich jedoch alles andere als positiv stimmte. Ich hatte Großes vor, wollte nach Berlin. Ich wollte studieren. Ich bewarb mich an einer Privatschule, um dort Kommunikationsdesign zu studieren und wurde auch angenommen. War ich glücklich darüber? Nein! Ich bekam die Zusage noch an dem Tag, als ich mein Interview hatte und verließ diesen Ort mit einem unguten Gefühl. “Was mache ich hier!?!”, fragte ich mich selbst, als ich durch die Straßen Berlins schlenderte. Ich wusste keine Antwort. Ich wusste nicht wohin mit mir. Ich fühlte mich verloren wie noch nie zuvor in meinem Leben. Ich fühlte mich, als würde ich das Leben einer anderen Person leben. Ich entschied mich gegen Berlin und gegen ein Studium. Nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern auch aus persönlichen. Ich hätte dort nicht reingepasst. Es wäre nicht das Richtige gewesen. Und wenn ich eines gut kann, dann auf meine innere Stimme zu hören. Und diese schrie ganz, ganz laut “NEIN!”. Da war ich nun, wieder am Anfang. Ich fühlte mich nutzlos und brauchte eine Aufgabe. Und Geld. Ich ging zu meinem alten Arbeitgeber, um nach einem Job zu fragen. “Haben Sie einen Job für mich?”, fragte ich meinen ehemaligen und zukünftigen Chef, mit verlegenem Grinsen. Dieser zückte sofort sein Telefon aus der Tasche, um einen Vertrag für mich fertig machen zu lassen, den ich sofort unterschrieb. Ich bin froh darüber, diesen Schritt gegangen zu sein, auch wenn ich mir selbst geschworen hatte, nie wieder in diesem Job zu arbeiten. Nun, auch ich musste von meinem hohen Ross absteigen und der Wahrheit ins Gesicht blicken. Die Realität sieht eben meist anders aus als unsere Vorstellungen.

Neun Monate sind nun vergangen, seitdem ich zurück bin und es fühlt sich an wie 9 Jahre! Es ist unglaublich, wieviel in solch kurzer Zeit passieren kann! Es wirkt surreal, fast wie ein Tagtraum. Ich kann endlich sagen, dass ich mich besser fühle, die Tränen vor langem getrocknet sind und ich mich auf einem guten und hoffentlich steilen Weg befinde. Ich habe es meiner Familie und meinen Freunden keineswegs leicht gemacht! Jedoch waren sie immer an meiner Seite und retteten mich, wenn ich dabei war wieder in einem meiner verzweifelten Tränenmeere drohte zu ertrinken und dumme Entscheidungen traf. Ich bin dabei meine Zukunft zu formen und habe Berlin keineswegs abgeschrieben! Wofür ich vor 9 Monaten keineswegs bereit gewesen bin, empfange ich nun ungeduldig mit offenen Armen. Ich möchte im Sommer endlich mein Leben in Berlin beginnen. Ich bin bereit für einen neuen Frühling, einen unvergesslichen Sommer und purem Abenteuer! Und das mehr als je zuvor! Ich brauchte diese 9 Monate des Einlebens, der Wiedereingewöhnung an das deutsche Leben! Es war eine lange Zeit, aber sie war notwendig. Alles braucht seine Zeit. Auch Zeit! Life is good!

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“Life is like a roller coaster. It has its ups and downs. But it’s your choice to scream or enjoy the ride.”

 

Die Sache mit dem Alkohol…

Alkohol. Hochprozentiges Weihwasser, welches uns katapultartig von 0 auf 100 in den Bespaßungshimmel schießen, oder uns ohne jegliche Vorwarnung unangekündigt in die abgrundtiefe Hölle des Suffs abstürzen lässt. Und das wortwörtlich! Von “Life is a party! No Campari, no party!”, bis “Ich sterbe!!! Ich trinke nie wieder!!!”. Wir alle haben mit ihm in unseren Jugendjahren Blutsbrüderschaft geschlossen und seitdem unsere eigenen heiteren, aber auch schmerzlichen Erfahrungen gemacht. Bei mir hat es viele heitere Erlebnisse gegeben, jedoch blieben diese nicht so tief in meiner Erinnerung verankert, wie diejenigen, die schmerzlich, peinlich und unmenschlich toxisch waren.

Als ich soeben meine größten Eskapaden des “der Alkoholpegel kennt keine Grenzen!” Revue passieren ließ, schoss mir ein Gedanke durch den Kopf: “Oh mein Gott, wieviele Gehirnzellen habe ich dadurch freiwillig zerstört?!?!”. Diese Erkenntnis ist bitter. Ich versuche mich von diesem Gedanken nicht verunsichern zu lassen. Immerhin weiß ich noch immer meinen Namen und Wohnort, beherrsche das ABC, sowie das 1×1. Ich erinnere mich noch sehr gut an dieses allererste Mal, an dem ich Bekanntschaft mit Mr Liquor machte. Es war der 31. Dezember 2004. Ich war 16 Jahre alt. Man könnte meinen, dass ich einen sanften Einstieg in dieses unschöne Alkoholgeschäft hatte, mich langsam in die Welt des “Es geht nur bergab, wie schnell, entscheidest du!” herangetastet habe, doch weder mochte ich Wein noch Bier. Bis heute verstehe ich nicht, wie man sich mit Hilfe von Wein betrinken kann, da dieser in meinen Augen der Inbegriff des Genusses ist und deswegen alles andere als “Mittel zum Zweck” sein sollte. Doch kennt jede Frau diese verzweifelten Stunden des unerträglichen Liebeskummers, in denen weder Schokolade, tränenreiche Gespräche mit der besten Freundin oder Filme a la “Bridget Jones” helfen und wir nach dieser einen rettenden Flasche Sekt oder Wein greifen! Ja, liebe Männer, so unglaublich wahnsinnig macht ihr uns manchmal! Adieu Herzschmerz (für die nächsten 12 Stunden). Mit den Jahren bin ich ein Fan des Weins geworden (nur rot und am liebsten aus Frankreich!) und habe sogar Freundschaft mit dem kühlen Blonden geschlossen. “Eine Deutsche, die kein Bier mag!?” ist ein Satz, den ich mir während meiner Zeit in den USA des Öfteren anhören durfte. Ein Klischee, welches durch mich seit zwei Jahren nun mehr und mehr der Wahrheit entspricht. Doch lasst uns eine Zeitreise zurück an den Abend machen, an dem alles anfing.

 

Silvester. Die perfekte Nacht um sich abzuschießen! Es klingt fast so, als hätte ich es geplant in dieser Nacht meine alkoholische Jungfräulichkeit zu verlieren, doch dem war nicht so. Ganz im Gegenteil! Ich hatte mir meinen Jahreswechsel alles andere als feucht fröhlich vorgestellt. Fröhlich ja, feucht im alkoholischen Sinne, niemals! Wie schon erwähnt mochte ich damals weder Wein, noch Bier, also blieb mir nur eines übrig: radikal den Rahmen zu sprengen und naiv übertrieben nach dem harten Fusel zu greifen! Das Getränk, welches mir an dem Abend gereicht wurde, war eine Mixtur aus gesundem Vitamin C und 40%igem Kartoffelschnaps. Dem Nationalgetränk der Russen und anderer osteuropäischen Nationen. Wovon ich spreche? Wodka-O. Unfassbar, wenn ich darüber nachdenke, dass mir mit 16 Jahren dieser Drink von Erwachsenen serviert wurde. Nun ja, die waren wahrscheinlich auch alle nicht mehr bei Sinnen. Nach einer unschönen Erfahrung einige Jahre später, habe ich dieses sonnenfarbene Teufelsgetränk nie wieder angefasst. Ich habe es mir wortwörtlich übergetrunken. Wodka belegt auf meiner “most hated liquors” Liste Platz 1! Gleich nach ihm folgt sein verrückter mexikanischer Sombreromuchacho Tequila. Was ich heute zutiefst verabscheue, habe ich in der Silvesternacht sehr leichtsinnig zu mir genommen. Mit fatalen Folgen. Ich erinnere mich kaum daran, wie diese Party verlief. Ich erinnere mich an den Anfang und an das (unschöne) Ende. Mir ging es alles andere als gut und somit brachte mich meine Freundin kurze Zeit nach Mitternacht nach Hause. Das Erste, was ich tat, war nach dem Menschen zu suchen, der uns in diesem Moment des Sterbens größte Fürsorglichkeit und Liebe zukommen lässt: Mama. Ich bin mir sicher, dass sie schon allein durch mein betrunkenes und somit unüberhörbar lautes Getaumel wach war und nur darauf wartete, was als nächstes passieren würde. Behutsam öffnete ich ihre Schlafzimmertür und tastete mich im Dunkeln an ihr Bett heran. Erschöpft und mitleiderregend sackte ich neben dem Bett auf dem Boden zusammen. “Mamaaaaa, mir geht’s schlecht…”, jammerte ich. Meine Mutter hatte jedoch alles andere als Mitleid mit mir und war um etwas ganz anderes als dem Wohle ihres Kindes besorgt. “Kotz mir ja nicht meinen Teppich voll!!!”. Nun, wer so viel trinken kann, muss wohl mit den Konsequenzen rechnen. Ich schaffte es irgendwie ins Bett und hatte mir geschworen nie wieder Alkohol zu trinken, während sich mein Bett mit gefühlten 100mk/h im Kreis drehte!

Nie wieder Alkohol zu trinken habe ich mir schon so einige Male geschworen und immer war ich es, die diesen Schwur brach. Wenn ich rückblickend mein Erlebnis in der Neujahrsnacht 2004 betrachte, war dies das sogenannte “Vorglühen” zu dem, was die Jahre darauf folgte. Es folgten unzählige Jahrtausendabstürze:

Sommer 2007: als ich mit trinkwütigen Norddeutschen in Schleswig-Holstein Doppelkorn trank, der mich nur haarscharf an einer Alkoholvergiftung vorbeirasen ließ und meiner Leber ihre Grenzen aufzeigte (mir ging es übrigens drei Tage in Folge miserabel!).

Sommer 2008: als ich bei den berühmt-berüchtigten Scheunenfeten jedes alkoholische Getränk zu mir nahm, welches ich in die Finger bekam, ich eine Sprite Flasche gefüllt mit Korn-Cola in einem Busch versteckte und unzählige Tequila shots mir den Rest gaben und somit am nächsten Tag nicht zu einem Konzert der Ärzte gehen konnte. Die Karte bekam ich von meiner Mama zu Weihnachten geschenkt, welches mich noch schlechter fühlen ließ. Seit dieser Nacht hasse ich Tequila!

März 2009: als ich wie eine Wahnsinnige auf einer Geburtstagsfeier tanzte und von jemandem mit einer Zigarette gebrandmarkt wurde, es in dem Moment nicht schlimm fand und am nächsten Morgen dachte: “Fuuuuuuck! Dieser blöde Penner!!!”. Was blieb ist neben der peinlichen Erinnerung, eine Narbe der Schande.

Halloween 2013: als Captain Morgan in der Nacht mein bester Freund wurde, ich Karten spielte wie ein Spielsüchtiger in Vegas, einen cremfarbenen Teppich mit meinem Drink taufte und dank meines Freundes den Weg zur Metro und nach Hause fand. Captain Morgan stellte sich als schlechtester Einfluss aller Zeiten heraus und nahm mir an diesem Abend jegliches Gefühl von Sprache und Fortbewegung. Damn you, Morgan!

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“Mit dem Alter kennt man seine Grenzen und wird vernünftiger!”, sagte meine Mama früher immer zu mir. Mit 18 kennt man das Wort “Grenzen” noch lange nicht. Nun, mit 26 und einer gefühlten Million Gehirnzellen weniger, weiß ich mich zu zügeln, kenne meine Grenzen und weiß, wann es reicht. Irgendwann heißt es eben verantwortungsvoll handeln und leben!

 

 

 

Die Sache mit der Aussprache…

Deutsche sind Klugscheißer und das braucht auch niemand abzustreiten! Wir wissen alles besser, müssen immer diskutieren und haben immer Recht! Immer!!! Werden wir jedoch dabei ertappt, dass dem nicht so ist, würden wir aufgrund unseres immens übertriebenen Stolzes niemals zugeben, dass wir falsch lagen. Eher würden wir unsere Hände auf den Mund unseres Gegners legen und ihn gewaltsam zum Schweigen bringen. “Shhhh, es ist okay!”. Aggressivste Spurenbeseitigung! Diese Variante spiegelt sich natülrich nur in unseren Köpfen wider, denn die Realität sieht (zum Glück!) anders aus. Mit zusammengekniffenen Augen, einem Puls von 360 und knirschenden Zähnen betrachten wir unser breitgrinsendes Gegenüber, dem wir zu gerne mit unserer Faust bekannt machen würden, währemd nur dieser eine Gedanke in unserem Kopf Platz findet: “Du blöder Klugscheißer…”. Dieser Kampf wäre verloren. Doch wird man es sich selbst eingestehen? Niemals! Geduldig wird auf den gegebenen Moment gewartet, in dem es heißt mit 200 prozentiger Kraft zurückzuschlagen, wenn der Gegner es am wenigsten erwartet! “Bam! In your face!!!”

Auch ich bin ein Klugscheißer. Besonders wenn es zu einem meiner Lieblingsthemen kommt: der Grammatik und Aussprache! Ich hasse nichts mehr, als Deutsche, die ihrer eigenen Muttersprache nicht mächtig sind, es jedoch herabschauend von anderen Nationalitäten erwarten. Mir wird immer wieder schlecht, wenn man zwischen “als” und “wie” nicht entscheiden kann und ich mir heimlich denke: “Hört man denn nicht von selbst, dass es sich total dämlich anhört “größer wie” zu sagen!?!”! Dies sind grammatikalische Fehler, die von Kindern begangen werden, jedoch nicht von Jugendlichen oder gar Erwachsenen! Und natürlich kennen wir alle die üblichen Verdächtigen, die sich so sehr unsicher ihres Sprachgebrauchs sind und “als wie” nehmen, da sie sich zwischen “als” und “wie” offensichtlich nicht entscheiden können. Sie befinden sich so gesehen auf der sicheren Seite. NICHT!!! Und immer wieder blutet mir mein deutsches Herz. Und meine Ohren umso mehr!

Während ich in den USA gelebt habe, ist mir erst so richtig bewusst geworden, wie deutsch ich eigentlich bin. Das Klugscheißbarometer hatte seinen Höhepunkt erreicht. Ich fühlte mich wie die Mutter der englischen Sprache, die all ihre internationalen Freunde und Gastkinder berichtigen musste, da ich sonst einen unsagbar schrecklichen Tod durch unterlassener Hilfeleistung in sprachlicher Hinsicht gestorben wäre! Ich empfand es als meine Mission und habe den einen oder anderen mit meiner Besserwisserei in den Wahnsinn getrieben. Man muss dazu sagen, dass Amerikaner viel zu höflich sind, um jemanden darauf hinzuweisen, dass das ein oder andere Wort eventuell falsch ausgesprochen wurde. Ich befand mich in den ersten Monaten meines amerikanischen Lebens oft in diesen Situationen, in denen ich mir alles andere als sicher war, was meine Aussprache betraf. In 50 Prozent meiner Sätze kam ein “I don’t know how you call it…” vor. Mit Händen und Füßen versuchte man dieses eine Wort zu beschreiben, welches sich zu dem Zeitpunkt noch nicht in meinem Wortschatz befand. Das Endresultat dessen war entweder Freude über ein neu dazugelerntes Wort, da meine Gastmutter nach 10 minütigem Dauerraten endlich wusste, worauf ich hinaus wollte, oder pure Frustration, da ihr Gesicht nichts außer Fragezeichen widerspiegelte. Während dieser Anfangsphase wurde ich von täglichen Kopfschmerzen geplagt und ich glaube nun zu wissen, was es damit auf sich hatte. Die englische Sprache fraß sich Schritt für Schritt in mein Bewusstsein und brachte die deutsche langsam zum Ersticken. Nach knapp zwei Monaten fing ich an englisch zu denken und zu träumen. Das war der Beweis dafür, dass die englische Sprache an Oberhand gewann.

Da ich im Einzelhandel arbeite und wir so einige Produkte aus aller Welt in unserem Verkauf haben, erlebt man den ein oder anderen Sprachfasching, welcher einen für gewöhnlich immer zum Lachen bringt, bei übermäßigem Wiederholen jedoch zur Weißglut treibt! Das erinnert mich an eine Situation als ich mich mit meinem Kollegen unterhielt und ein Kunde nach “Sür Kriem” fragte. Durch das “Sür” klang es doch sehr französisch. Ich hatte keinerlei Ahnung was gemeint war. Ich schaute fragend meinen Kollegen an, der nur mit den Achseln zuckte, als beide unsere Blicke sich wieder an unseren Kunden richteten. “Was suchen Sie???”, fragte ich ihn mit leicht genervtem Unterton. Er bestand auf “Sür Kriem” und versuchte mir zu beschreiben, wofür man dieses Produkt verwendet, bis es mir dann wie Schuppen von den Augen fiel und ich wie in einem Comic mit erhobenem Zeigefinger dastand und laut “Aaaahhh, Sie meinen SOUR CREAM!!!” sagte. Es fehlte nur noch die leuchtende Glühbirne über meinem Kopf. Ich sagte “Sour Cream” so oft es ging, damit es sich in sein Gedächtnis brannte und dieses fiktive “Sür Kriem” den Gar ausmachte! Oh ja, darauf bestehe ich, dass ich meinen Kunden dann die richtige Aussprache zukommen lasse. Soviel bin ich ihrer Unwissenheit schuldig! Neben der altbekannten “Sür Kriem”, führen wir auch noch “Mirazell Wip” (auch bekannt als “Miracel Whip”), “Bresssso” (es heißt “Bresso” und die Betonung liegt auf dem “o”, verdammt nochmal!!!) und “Goggonsola” (bitte sprecht es laut mit zwei “g” aus. es bringt mich immer wieder zum Lachen!) in unserem Sortiment. Ich verlange von niemandem fließend 5 Sprachen zu sprechen, jedoch wäre es nett, wenn man sich ab und an etwas Mühe geben würde. So schwer ist es doch nicht, oder?

 

P.S.: Dieser altbekannte Sprachfasching macht auch vor meiner eigenen Familie keinen Halt. So wird “Channel 21” als “Chanel 21” bezeichnet (und schon entsteht eine neue Duftkreation). Und meine Oma, tja, die wollte sich einen airport auf ihren Hof bauen lassen. Bis wir dann festellten, dass sie carport meinte.