10 hours in Hamburg

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Vor einiger Zeit packte mich das große Verlangen nach Hamburg zu fahren! Ganz plötzlich und zu meiner eigenen Überraschung, denn noch nie hatte Hamburg zu den Orten gehört, an denen ich mich wohl fühlte. Und obwohl ich sehr viel Zeit in der Hansestadt verbracht habe (mehr als in Berlin), wurden wir beide nie so richtig warm. Woran es lag, konnte ich mir auch nie erklären. Ich habe es immer auf die Architektur und den weltberühmten Kiez geschoben, für welchen ich mich noch nie begeistern konnte. Bis auf den Hafen und einiger Konzerte, die ich besuchte, gab es nichts, was mein Herz höher schlagen ließ. Ich zählte schon immer zur Berliner Fraktion, wobei die meisten meiner Freunde die Perle Norddeutschlands bevorzugten. In Deutschland gab es schon immer ein “Entweder-oder”, was diese beiden Konkurrenten anbelangte. Ich habe persönlich niemanden kennen gelernt, der sich zwischen diesen beiden Berühmtheiten entscheiden konnte. Darum gab es auch für mich nur schwarz, oder weiß. “Ich mag Hamburg nicht unbedingt. Ich gehöre zu den Berlinliebhabern!”, war meine Antwort auf die Frage, welche der beiden Städte ich bevorzugte. Warum verspürte ich dann also auf einmal diese “Sehnsucht”? Um dies herauszufinden, machte ich mich zusammen mit einer Freundin auf den Weg gen Norden! Und wer hätte gedacht, dass sich meine Meinung bezüglich all dessen ändern würde? Ich ganz bestimmt nicht!

Es ist nun schon zwei Wochen her, als wir uns an einem Samstag auf den Weg machten. Die Luft war drückend. Kaum setzte ich einen Fuß vor die Tür, fing ich an zu jammern. Meine Hoffnung lag darin, dass zwei Stunden nördlich ein frischer Wind wehen und mich von dieser sommerlichen Vorhitze, die ein Gewitter im Schlepptau hatte, befreien würde. Am Bahnhof angekommen, wartete ich auf meine Freundin. Es war sehr heiß und ich bereute kein Kleid angezogen zu haben. Stattdessen war ich komplett in schwarz gekleidet, welches die Sonne umso weniger auszuhalten ließ. Meine Laune bewegte sich Schritt für Schritt weiter abwärts Richtung Keller. “Na toll! Ich schwitze jetzt schon wie ein Schwein und habe nicht einmal eine dämliche Sonnenbrille”, fluchte ich leise vor mich hin und dachte an den Sommer 2012, als ich jene Sonnenbrille im Atlantik verlor. Als ich dann den Zug anrollen sah, meine Freundin jedoch nicht, schrieb ich ihr panisch eine SMS: “Der Zug kommt!”. Im gleichen Moment rief sie mich an, verzweifelt auf der Suche nach einem Parkplatz. Ich machte mich auf den Weg zu ihr. Den Zug würden wir eh nicht mehr erwischen. “Ob das ein Zeichen dafür ist, dass meine Sehnsucht falscher Alarm war und mich Hamburg nicht bei sich haben wollte…?, fragte ich mich in Gedanken, als wir uns letztendlich mit unseren Autos auf den Weg in die nächstgelegene Stadt machten, denn weitere zwei Stunden Wartezeit für den nächsten Zug wollte ich bei der Hitze nicht in Kauf nehmen. Dies hätte für alle Beteiligten unschön geendet.

Angekommen in “Hamburch”, machten wir uns auf den Weg zu einem Laden, den ich über Pinterest entdeckt habe und nicht weit vom Bahnhof entfernt ist:

Mutterland

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Dieser zuckersüße Delikatessenladen besticht mit seiner Einzigartigkeit in Design, Atmosphäre und Produktplatzierung und ließen mein Kauffrauherz höher schlagen. Jedes kleinste Detail nahm ich strengstens unter die Lupe und fand pure Perfektion. Ich kam mir vor wie in einem Schlaraffenland, umgeben von allen Leckerein wie Schokolade, vertrauten Bonbons aus Kindertagen, Pechkeksen (“Das Wetter ist nicht launisch. Es kann dich einfach nicht leiden.”, war meine Pechkeksbotschaft und passte perfekt zu diesem Tag), sowie auch Salz, Kaffee und vielem mehr, womit man seine heimische Speisekammer füllen konnte. Wer etwas länger in den Genuss dieses attraktiven Ambientes kommen möchte, kann es sich in dem dazugehörigen Café gemütlich machen und leckere Törtchen naschen, oder aber sich online eine LKW-Ladung all dieser Köstlichkeiten nach Hause liefern lassen. Lohnenswert ist es allemal!

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Mutterland Stammhaus | Ernst-Merck-Straße 9, Ecke Kirchenallee | 20099 Hamburg / St. Georg


 

Nach diesem perfekten Start unseres Hamburger Tagesabenteuers, machten wir uns auf den Weg Richtung Rathaus, welches mit Abstand eines der schönsten in ganz Deutschland ist! Mit meiner Freundin, welche einige Zeit in Hamburg gearbeitet hat, hatte ich meine perfekte Begleitung  an meiner Seite. Dank ihr fing ich an Hamburg mit anderen Augen zu sehen. Wir schlenderten an großartiger Achitektur, süßen Cafés und Restaurants vorbei, probierten alle Cremes aus, die wir in Parfümerien und Drogerien finden konnten und verloren uns in den unglaublich wohlwollenden Duftwolken Korres (ein unglaublicher Duft!)! Betört von diesem Duft der Bergamotte, begaben wir uns auf die Suche nach einem weiteren Café, welches ich ebensfalls auf Pinterest ausfindig gemacht habe und unbedingt ausprobieren wollte. Nach kurzzeitiger Orientierungslosigkeit, welche jedoch keinen Abbruch tat, da wir mit einem wundervollen Ausblick auf das Rathaus belohnt wurden, sind wir schnell fündig geworden und sagten “Salut, Paris!”:

Café Paris

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Schon beim Betreten des Café Paris, spürt man diesen ungebrochenen Pariser Charme des frühen 20. Jahrhunderts, den man nicht beschreiben, sondern erleben muss (wer schon einmal in Paris war, weiß, was ich meine). Dieses wunderbare Jugendstilambiente, welches durch geflieste Wände und Decken, sowie der leuchtenden Glühbirnen verstärkt wird, trumpht mit einer grandiosen französischen Karte! Die Karte ist sehr übersichtlich und doch fiel es mir schwer eine Entscheidung zu treffen, da ich einfach alles essen wollte. Letztendlich entschied ich mich für einen Kaffee und meinem ersten Croque Madame, die französische Variante eines Sandwiches, welches mit Käse, Schinken (in meinem Fall frischen Tomaten) und einem Spiegelei serviert wird. Und was soll ich sagen: Es war magnifique! Seit jeher kann ich an nichts anderes mehr denken…

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Café Paris | Rathasustraße 4 | 20095 Hamburg


 

Kugelrund und glücklich hieß es nun: Shoppingalarm. Obwohl ich nach einigen Dingen gesucht habe, bin ich alles andere als fündig geworden. Deprimiert versuchte ich mich damit aufzumuntern, dass ich meine Freundin mit einigen Beautyprodukten vertraut machen und sie für meine all time favorite Handcreme von L’Occitane (best one ever!) begeistern konnte. Wiederum machte sie mich mit dem Alsterhaus (dem Hamburger Pendant zum KaDeWe) und dem ein oder anderen Laden mit unwiderstehlichem Olivenöl und fantastischem Salz bekannt. Da die altbekannte “Kaffeezeit” immer näher rückte und von diesem himmlischen Croque Madame nicht mehr viel übrig war, machten wir uns auf den Weg zu:

Gretchens Villa

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Dieses Goldstück lässt jedes Frauenherz höher schlagen! Ich bin mir sicher, dass es keine weibliche Person gibt, deren Augen bei diesem Anblick von purer Shabby Chic Romantik nicht anfangen zu funkeln. Auch wenn ich nicht das typische “Mädchen” bin, habe selbst ich dieses Funkeln in meinen Augen zu spüren bekommen! Beim Bestaunen dieses Traums in weiß und türkis, fielen mir zwei kleine Erdberr- und Blaubeertörtchen auf, welche nur darauf warteten, von mir verspeist zu werden. Gesagt, getan und keine halbe Stunde später waren auf meinen ebenso romantischen Tellern nur noch vereinzelte Krümel übrig geblieben. Wir hielten uns eine ganze Weile bei Gretchens Villa auf. Wahrscheinlich, weil wir uns heimisch fühlten und der Kuchen wie bei Oma schmeckte. Pures Glück!

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Gretchens Villa | Marktstraße 142 | 20357 Hamburg


 

Am Ende des Tages beobachteten wir die Sonne dabei, wie sie die roten Backsteinhäuser der Speicherstadt zum Leuchten brachte. Wir waren erschöpft. Dabei wollten wir unbedingt zu dieser Strandbar in St. Pauli! Wie sehr hatte ich mich auf ein kühles Bier gefreut, aber mein Körper wehrte sich immens! Als wir uns dann, irgendwo zwischen Speicherstadt und Hafen setzten, um etwas Kraft zu schöpfen, legten wir den Gedanken nach St. Pauli zu fahren ab und machten uns auf die Suche nach der nächstgelegenen U-Bahn Station. Es war nicht einfach diese zu finden, somit rannten wir wild drauf los. Als wir dann doch das große blaue “U” entdeckten, hätte ich niemals erwartet in dem beeidruckendsten U-Bahnhof aller Zeiten zu landen:

U-Bahnhof HafenCity Universität

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Ein spektakuläres Farbspiel, welches wir ganz für uns hatten!

 

Man kann sagen, dass dieser Tag zu einem dieser ganz bestimmten Tage gehört, die man sich nicht besser hätte ausmalen können. Gefüllt mit quirligen Frauengesprächen, ganz viel Beauty und wunderbarem Essen. Er fing ungewollt chaotisch an, endete aber umso perfekter. Aber nicht nur die Orte und Momente, in denen man eintaucht machen es perfekt, sondern die Menschen, mit denen wir sie entdecken und erleben. Sie sind es, die uns alles bewusster spüren und erleben lassen. Vielleicht war es die innere Sehnsucht, die mir sagte, dass ich genau das mit einem meiner Herzensmenschen erleben sollte! Danke Hambrug, meine Perle!

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When a dream came true…

Träume. Wir alle haben sie. Mögen es kleine, oder große sein. Wir alle werden von ihnen tagtäglich begleitet. Sie erhalten uns am Leben, geben uns Kraft. Und vor genau einem Jahr durfte ich mir einen dieser Träume erfüllen:

240 km von Miami nach Key West mit einem Ford Mustang entlang der Florida Keys!

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Seit meiner allerersten Begegnung mit diesem atemberaubenden Ort durch eine Fernsehreportage, wusste ich, dass ich während meines Aufenthalts in den USA mir unbedingt einen Mustang mieten und von Miami bis nach Key West fahren musste! Um jeden Preis! Komme was wolle! Niemals hätte ich für möglich gehalten, dass mich türkisfarbenes Meer, Palmen und weiße Strände so sehr in den Bann ziehen könnten. Ich war noch nie die typische “beach type of person”! Während andere einen dreiwöchigen Urlaub am Strand, unter Palmen und all inclusive buchen, bin ich diejenige, die auf Erkundungstour geht. Ich muss mit fernen Orten auf Tuchfühlung gehen, jeden Millimeter für mich erobern und mich mit Land und Kultur vertraut machen. Ein Erholungsurlaub am Strand wäre für mich die reinste Qual und alles andere als Erholung. Ich würde vor Langeweile ersticken und käme mir vor wie Tom Hanks in “Cast Away”, auf der Suche nach meinem persönlichen Wilson und dem Weg aus dieser Hölle namens “Paradies”! Nun fragt ihr euch bestimmt, warum ich von Key West so fasziniert bin. Ganz einfach: Key West ist anders! Key West ist künslerisch, kreativ, verrückt, laut, überraschend, interessant und so facettenreich, wie ich es vorher kaum irgendwo anders gesehen und erlebt habe! Dieser Ort ist magisch und hat mir mehr gezeigt, als ich es mir zu träumen gewagt hätte! Von leer stehenden Häusern, zu Bars, die auch tagsüber von biertrinkenden Gästen gefüllt sind, über wunderschöne Villen, die vor Blumen nur so strotzen.

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Fast wäre es nicht mehr zu diesem Abenteuer gekommen. Umso glücklicher war ich also, als es hieß, dass ich an meinem letzten Wochenende vor meinem endgültigen Heimflug nach Miami fliege und von dort aus mit dem Auto schlechthin nach Key West fahre! Natürlich war ich extrem aufgeregt, da ich dabei war mir einen meiner größten Wünsche zu erfüllen. Am Flughafen angekommen, ging es sofort zum Autoverleih. Als ich die Schlüssel in der Hand hielt und uns der Mitarbeiter zu unserem Auto für die kommenden 48 Stunden brachte, blieb mir für eine Sekunde mein Herz stehen, bis ich dann voller Begeisterung in Extase ausbrach und völlig ausrastete! “Oh mein Gott!!!!!! Guck dir dieses Auto aaaaan! Ich krieg einen zuviel!!!!!”.  Man hätte meinen können, dass mir das Auto geschenkt wurde, aber dem war nicht so. Leider. Ich musste mich an den sportlichen Fahrerraum erst gewöhnen, an die schnellen PS jedoch nicht. Sobald wir den Freeway erreichten, trat ich auf’s Gas. Es war bereits später Abend und durch die Dunkelheit fühlte ich mich unbeobachtet und vor der Polizei geschützt (ich weiß, ziemlich dumm das zu denken, aber so fühlte es sich wirklich an!). Es gab nun kein Halten mehr und immer erwischte ich mich dabei, wie ich mehr und mehr Gas gab, um zu sehen, was dieses Baby so drauf hat. Die Liebe auf den ersten Blick festigte sich und wurde innig. Der Mustang und ich waren eins und ab dem Zeitpunkt unzertrennlich. In diesen Momenten wünscht man sich insgeheim Millionär und im Besitz eines lächerlich großen Fuhrparks zu sein…

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Nach einer Nacht in einem kleinen aber feinen Motel in Miami, ging es am nächsten Tag um 6 Uhr früh nach Key West. 240 km lagen in einer dreistündigen Fahrt vor uns. Was ich sofort feststellen musste und nicht erwartet hätte, war, dass der Highway aus jeweils einer Spur besteht und Überholen somit fast unmöglich war. Dies erwies sich für mich als deutsche Autofahrerin als eine Art Geduldprobe! Geduld: etwas, das ich nicht hatte und trotz allem über mich ergehen lassen musste. Die Fahrt über die mehr als 42 Brücken des Overseas Highway stellte sich als nicht ganz so malerisch und abenteuerlich heraus, wie ich es mir vorgestellt hatte. Angst überkam mich, dass ich von Key West genauso enttäuscht sein würde und hoffte nur das Beste. Nachdem wir unser Ziel erreicht hatten und uns mit einem genüsslichen Frühstück stärkten, machten wir uns auf den Weg unser Motel zu inspizieren, von welchem uns ein wundervoller Ausblick auf den Golf von Mexiko geboten wurde. Koffer abgeladen, kurz frisch gemacht und mit Sonnencreme eingecremt (welches sich als nicht genügend erwies), stürzten wir uns in das verrückte Leben Key Wests! Ich hatte keine große Liste von Dingen, die ich machen oder sehen wollte. Ich wollte alles auf eigene Faust erkunden und mich überraschen lassen, welche ich euch aufzählen werde. Ein großes Ziel, welches meine absolute Nummer eins ist, jedoch hatte ich:

 

Ernest Hemingway Home

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Ich, als große Hemingway Liebhaberin, musste mich natürlich an den Ort begeben, an dem eines der großartigsten Talente aller Schriftsteller gelebt hatte! Von 1931 bis 1939 nannte Mr Hemingway dieses imposante Haus, welches im Jahre 1851 erbaut wurde, sein Zuhause. Hemingway war ein großer Sammler spanischer Möbel des 17. und 18. Jahrhunderts, welche man im ganzen Haus bestaunen konnte. Die Kombination dieser antiken Möbel mit Lampen des 20. Jahrhunderts faszinierte mich am meisten. Eine der dekorativsten Lampen, die ich bis dato gesehen hatte und die mich im Sturm eroberte, waren jene in Form einer Ananas, welche sich auf den Nachttischen im Schlafzimmer befanden. Neben eines sehr stilvoll eingerichteten Hauses, in dem ich selbst gerne für zwei Wochen Urlaub machen würde, gibt es einen wundervollen Garten, welcher das reinste Paradies für alle Blumenliebhaber sein sollte und einem Pool, der zu ein, zwei Schwimmzügen einlädt. Zwischen all den exotischen Blumen und hochragenden Bäumen finden sich Bänke und Tische, in denen man sich fallen lassen kann, um das Leben zu genießen. Interessant zu wissen ist, dass sich auf dem Grundstück zwischen 40 und 50 Katzen befinden, die alle Nachkommen Hemingway’s Katzen sind und sich von all den Besuchern keineswegs aus der Ruhe bringen lassen. Mit Abstand ist das Ernest Hemingway Home mein liebster Ort auf Key West und pure Inspiration für mich!

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Key West lighthouse

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Gleich gegenüber des Ernest Hemingway Home befindet sich der Key West Leuchtturm, der 22 Meter hoch ist und einem einen atemberaubenden Blick über ganz Key West bietet! Der Leuchtturm wurde im Jahre 1825 fertig gestellt, 1846 durch einen Hurricane zerstört und wieder aufgebaut. Im Jahre 1969 wurde er dann endgültig stillgelegt und der Key West Arts and Historical Society übergeben. Seitdem dient er als Museum.

 

Southernmost Point

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Der Southernmost Point gilt, wie der Name schon sagt, als der südlichste Punkt der Kontinentalen USA. Doch dem ist nicht so, denn dieser liegt auf der nebenan angesiedelten US Navy Basis! Tja, so wird man ausgetrickst. Trotz alledem ist der Southernmost Point DER hotspot für Touristen. Man mag es kaum glauben, aber Menschen stehen Schlange um dort Bilder zu machen! Und das bei gefühlten 38 Grad und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit! Natürlich war mir dies zu lächerlich, also versuchte ich das perfekte Bild zu schießen, sobald sich Touristengruppen untereinander abwechselten und ihre Positionen einnahmen. Dies bot sich als sehr schwierig dar und ich weiß nicht, wie lange es dauerte, bis ich dieses Bild schoss. Es hatte eine gefühlte Ewigkeit gedauert, die mich in der Sonne schmelzen ließ wie Butter  in der Mikrowelle und selbst dann, als ich dachte, ich hätte triumphiert, wurde meine Euphorie schlagartig zerstört. Hartnäckig und rücksichtslos schmuggelte sich einer dieser Touristen in mein Bild. So sind sie, die Touristen!

 

Fort Zachary Taylor Historic State Park

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Der Fort Zachary Taylor Historic State Park (puh, welch langer Name!) ist ganze 22 Hektar groß und umfasst das Gelände der ehemaligen Küstenbefestigung Fort Zachary Taylor, welche ab 1845 zum Schutz des Hafens und der Stadt Key West errichtet wurde. Sie erwies seine Dienste als Küstenbefestigung bis 1947. Nachdem sie als Schrottplatz für die US Navy diente, wurde durch das Engagement ehemaliger Navy-Mitarbeiter und Bürger aus Key West und deren Augrabungen verschütteter Kanonen und anderer Überreste von Geschützen die Festung 1971 in das National Register of Historic Places eingetragen. Nur zwei Jahre darauf wurde sie als National Historic Landmark eingetragen. Seitdem die Anlage 1985 der gesamten Bevölkerung als Park eröffnet wurde, gehlrt dieser zu den am meisten besuchten State Parks in Florida! Die Festung an sich ist mit all seinen mächtigen Kanonen sehr beeindruckend. Was ich aber nie vermutet hätte, ist dieser wunderschöne Strand, zu dem wir durch puren Zufall gelangt sind. Noch nie in meinem ganzen Leben habe ich solch einen weißen Strand und türkisfarbenes Meer gesehen! Ich erwischte mich selbst dabei, wie ich einige Male blinzeln musste und aus dem Staunen nicht mehr raus kam, als sich mir dieser Anblick bot! Dies ist wahrhaftig das Paradies! Man konnte Leute dabei beobachten, wie sie sich am Strand sonnten, sich im Meer abkühlten, angelten, oder zwischen den Bäumen, die einem schützenden Schatten boten, kleine bis sogar größere Barbeques veranstalteten. Ein wahrer Ort des Glücks, den ich nicht mehr verlassen wollte!

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Key Lime Pie

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Key lime here, Key lime there! Überall Key lime! In Key West kann man alles kaufen, was man mit Key limes anreichern kann. Seien es Kekse, Bonbons, Tees, oder sogar Alkohol. Den Wünschen aller Key lime Fans sind keine Grenzen gesetzt. Anfang verstand ich das Phänomen all dessen nicht. Bis ich mich an unserem letzten Tag und nur eine Stunde vor der Abreise daran erinnerte, dass ich doch eines dieser berühmt-berüchtigten Key Lime Pies probieren musste! Und ich danke meiner Erinnerung dafür, dass sie es möglich gemacht hat! Dieses kleine Stückchen Himmel sieht nicht nur deliziös aus, es schmeckt auch so! Es ist mit Abstand der beste Kuchen, den ich jemals gegessen habe (und ich liebe Zitronenkuchen über alles!). Beim Betrachten dieses Bildes habe ich den unvergleichen Geschmack und die cremige Konsistenz auf den Lippen, die mir das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. Wie gerne würde ich diesen kleinen Suchtmacher jeden Tag vertilgen! Key Lime Pie, you are my favorite!

 

Neben all dieser unglaublichen Orte, die Key West zu bieten hat, findet man unglaublich tolle Restaurants, laute und schrille Bars mit fantastischer Livemusik und unähligen großartigen Künstlern und Gallerien in Hülle und Fülle! Key West ist Kunst! Key West ist Musik! Key West ist Kreativität! Key West ist Extravaganz! Key West ist einfach so anders und bezaubernd und es fühlt sich verdammt gut an zu wissen, dass man sich einen Herzenswunsch erfüllen konnte!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Sache mit Berlin…

Jeder hat seinen Lieblingsort auf diesem Planeten. Ein Ort, der uns glücklich macht, uns allen Stress und Kummer vergessen und uns sorgenlos in den Tag hinein leben lässt. Dieser Ort ist für mich mit Abstand Berlin! Big B! Meine Liebe zu dieser Stadt ist seit Jahren ungebrochen! Ich war in vielen Großstädten dieser Welt und selbst New York City kann mit dem Charme unserer Hauptstadt nicht mithalten! Durch den Besuch meines Freundes aus Frankreich, der das erste Mal in Berlin gewesen ist, habe ich Berlin nochmals mit anderen Augen gesehen. Neue Plätze wurden entdeckt, erkundet und erobert. Seitdem ist meine Liebe für diese wundervolle Stadt umso stärker geworden! Jedes Mal, wenn ich in den Zug steige und mich auf dem Weg nach Berlin befinde, überkommt mich dieses pure Glücksgefühl der Wiedersehensfreude. Dieses leichte Kribbeln, welches mich überkommt, sobald ich den Fernsehturm erblicke (welches übrigens mein liebstes Wahrzeichen Berlins ist!). Ich kann es nicht beschreiben und es mag sich für den ein oder anderen merkwürdig anhören, für mich fühlt es sich jedoch richtig an. Als würde ich nach Hause kommen.

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Ich kann mich noch sehr gut an meinen allerersten Trip nach Berlin erinnern und ich muss zugeben, dass ich Berlin nach diesem Erlebnis gehasst habe! Wir schreiben das Jahr 1999. Es ist der 31. Dezember und mein Vater hatte die glorreiche Idee die Jahrtausenwende in Berlin zu verbringen. Was er sich dabei gedacht hatte, weiß ich bis heute nicht. Ich war damals 11 Jahre alt und mir überhaupt nicht im Klaren darüber, was da auf mich zukommen würde! Hätte ich es vorher geahnt, wäre ich zu Hause geblieben! Mandy home alone and totally fine with it! Alles wäre mir lieber gewesen, als hunderttausende von Menschen, die wie Suizidgefährdete ihre Raketen und andere Explosionsmittel durch die Massen schmeißen, als wäre der dritte Weltkrieg ausgebrochen! Es stimmte also, was die Maya gepriesen hatten, denn dies fühlte sich wahrhaftig wie ein Weltuntergang an! Ich war natürlich auch die Glückliche, die einen Böller ans Bein bekommen hatte und seitdem eine starke Verfechterin der Wunderkerze ist!!! Ich konnte froh sein, dass es nicht einer dieser sogenannten “Polenböller” war, der mir mit Sicherheit meine Beine zerfetzt, mir das Augenlicht und auch mein Gehör genommen hätte! Welch famoser Jahrtausendwechsel! Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, mussten wir nach dem ganzen Neujahrsspektakel die U-Bahn nehmen, um zum Hotel zurücktzugelangen. Was das bedeutete, brauche ich euch weder erklären, noch im Entferntesten versuchen zu schildern! Der Begriff “Menschenmassen” wurde mir in diesem Moment am lebendigen Leib erklärt! Als wir darauf warteten,  in die U-Bahn zu steigen, konnte ich hören, wie ein Polizist zu einem Passagier sagte, dass es Verzögerungen aufgrund eines Suizides gab. Ich fragte meine Mama, was Suizid bedeutete und sie erklärte mir, dass sich jemand das Leben nahm, in dem er vor den Zug sprang. Von dem Augenblick an sagte ich nichts mehr. Ich wurde traurig und versuchte zu verstehen, warum dieser Mensch das getan hatte und was wohl seine Mama und sein Papa sagen würden. Wie ich später herausfand, war dies nicht der einzige Suizid in dieser Nacht. Die Erinnerungen an diesen monströsen Abend sind mit den Jahren verblasst, jedoch sind sie noch immer in dem Sinne allgegenwärtig, dass ich sagen kann, dass ich nie wieder solch ein Spektakel aufsuchen und mich in die Höhle des Löwen begeben würde!

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Ich sollte mich schon ganz bald wieder in Berlin befinden. Dieses Mal länger als nur für 24 Stunden und unter stressfreieren Bedingungen wohlgemerkt! Es sollte der erste gemeinsame Urlaub für mich und meine Mama werden. Da mein Bruder schon zu alt und pubertär war, um mit seiner verehrten Frau Mutter und zuckersüßen kleinen Schwester Urlaub zu machen, hieß es “Girlpower!” und ab nach big B. Begeistert war ich nicht, um ehrlich zu sein. Wir besuchten die Tante meiner Mama, welche damals in einem riesigen Plattenbau wohnte, welcher sogar einen Fahrstuhl besaß. Ziemlich cool, wie ich fand! Bei gefühlten 20.000 Stockwerken ist dieser auch notwendig, was Umzüge und große Einkäufe betrifft. Die Wohnung der Tante meiner Mama war ziemlich groß. Sie lebte dort mit ihren zwei Söhnen, die beide jedoch schon längst ausgezogen waren. Überall hingen Fächer mit chinesichen Schriftzeichen oder andere asiatisch angehauchte Dekoration. Es lag sogar ein Hauch von exotischen Gewürzen in der Luft, die mich vermuten ließen, dass sie gerne damit kochte. Ich mochte die Einrichtung, da ich mich zu der damaligen Zeit sehr für die asiatische Kultur interessierte. Ich fühlte mich auf Anhieb wohl! Es war aufregend und ganz anders als zu Hause. Von unserem Zimmer aus, welches das Jugendzimmer ihres ältesten Sohnes war, konnte ich die Straße und sogar das ein oder andere Flugzeug sehen, welches dicht über die Häuser hinwegflog. Dieser Anblick war mir neu und natürlich aufregend! Das Großstadtfieber hatte mich gepackt und so langsam fing ich an Berlin eine zweite Chance zu geben. Ich nutzte jede freie Minute um am Schreibtisch, welcher genau am Fenster stand und mir einen inspirierenden Blick bot, zu zeichnen. Wenn ich mal nicht zeichnete, begaben wir uns auf Entdeckungstour und erkundeten Berlin wie jeder andere Tourist. Vom Alex, am roten Rathaus und dem Berliner Dom vorbei, führte uns die deutsche Champs-Élysée (wie ich sie gerne nenne) “Unter den Linden” zum Brandeburger Tor und dem deutschen Bundestag. Ich hatte Berlin in mein Herz geschlossen.

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Mit den Jahren verschlug es mich unzählige Male nach Berlin. Ganz freiwillig. Ich entdeckte es immer wieder aufs Neue für mich. Jedes Mal auf eine ganz neue interessante Art und Weise. Die Liebe zu Berlin wuchs mit den Jahren und wurde so stark und innig, bis ich wusste, dass es keinen anderen Ort in Deutschland geben würde, an dem ich leben möchte! Berlin hatte mich vollkommen verzaubert und in seinen Bann gezogen. Es fällt mir schwer zu beschreiben, warum gerade diese Stadt mich so sehr in ihren Bann zieht, denn wir sind uns so sehr vertraut und doch so fremd. Es ist diese Magie gewisser Orte, die uns einfach willkommen und zu Hause fühlen lassen. Bevor es mich im Mai 2012 in die USA verschlug, musste ich ein letztes Mal Berliner Luft atmen und “Auf Wiedersehen und bis ganz bald!” sagen! Ich liebe Berlins internationale, historische und künstlerische Seele, die mich inspiriert und aufleben lässt. Im Sturm möchte ich jeden kleinsten Winkel erkunden, bis ich sie alle in und auswendig kenne. Ich möchte alle süßen Cafés und geheimnisvollen Bars erobern. Möchte im Morgengrauen  nach durchzächter Nacht durch die Straßen tanzen. Ich möchte Läden erkunden, wie sie es nur in Berlin gibt. Ich möchte im Sommer in einem Liegestuhl an der Spree ein kühles Bier trinken. Ich möchte Menschen kennenlernen, die mich verzaubern. Ich möchte dich mein neues Zuhause nennen!

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Denn ich liebe dich, Berlin!