When a nightmare became reality…

Paris (Juli 2010) 017“Das kann alles nur ein böser Traum gewesen sein!”, sage ich zu mir selbst, nachdem ich aufwache. Mir ist warm. Wahrscheinlich habe ich wieder einmal vergessen die Heizung in der Nacht auszustellen. Verwirrt schaue ich mich in meinem Zimmer um und bleibe bei meinem Poster hängen, das auf dem Boden liegt. Es ist von der Wand gefallen. Das also war das Geräusch, welches mich in der Nacht aus meinem Schlaf riss. Meinem unruhigen Schlaf. Die letzte Nacht war kurz und doch zu lang. Zu kurz, um all das zu verarbeiten, was sich vor weniger als 24 Stunden ereignet hat, zu lang, um die Angst weiter wachsen zu lassen. Ich fühle mich benommen, versuche meine Gefühle zu ordnen und einen klaren Gedanken zu fassen. Es fällt mir schwer. Draußen höre ich Schulkinder lachen. Sie lachen, weil sie glücklich sind. Glücklich und unbeschwert. Und nun stehe ich hier in meinem Zimmer, die Vorhänge noch immer zugezogen, wie gelähmt, um einen Schritt in einen neuen Tag zu wagen. Dem Tag danach.

Es ist der 14. November, ein Samstag. Die meisten Menschen haben frei, machen sich auf den Weg zum Bäcker, um frische Brötchen und die neue Tageszeitung zu holen. Ein perfekter Start ins Wochenende. Sie setzen sich zusammen mit ihrer wohl behüteten Familie an den gedeckten Küchentisch ihrer wohl behüteten Wohnung, als sie die Zeitung betrachten und beim Anblick der Titelseite schockiert feststellen, dass das Leben für einen kurzen Moment still steht. Paris. Tote. Anschläge. Terroristen. All das sind die Worte, die man liest und wird sich bewusst, dass das kein Albtraum war, sondern brutale Realität ist. Eine Realität, so unfassbar grausam, dass sie uns gelähmt und verängstigt zurücklässt. Es ist wahr und fühlt sich echter an, als es noch vor nicht einmal 10 Stunden tat. Ich saß in der Küche, hatte mit einer Freundin zu Abend gegessen. Wir führten die typischen Gespräche, tratschten und lachten, als sie eine Nachricht von ihrem Freund bekam, in der genau die erschreckenden Worte standen, die man nun in allen Zeitungen lesen kann: Paris. Tote. Anschläge. Terroristen. “Nein!”, war das erste, was ich zum Ausdruck brachte. Nein! Nicht schon wieder! Denn wie wir alle wissen, wurde Paris erst im vergangenen Januar Ziel terroristischer Anschläge. Sofort sprang ich auf, um meinen Laptop zu holen. Ich brauchte mehr Informationen. Wo? Was? Wie? Wir lasen und lasen und mit jedem weiteren Wort stieg die Fassungslosigkeit. Mit jeder weiteren Minute gab es mehr Informationen über die Orte, an denen diese schrecklichen Taten stattgefunden haben. Und mit jeder weiteren Stunde stieg die Zahl der Opfer. Ich konnte fühlen, wie schwer mein Atem wurde. Ich dachte sofort an meine französischen Freunde und wie diese sich in diesen Sekunden wohl fühlen mussten. Eine Vorstellung, die mich umso verzweifelter machte. Ich wusste, dass sie weit weg von alledem waren, doch musste ich mich dessen vergewissern, dass es ihnen gut geht und ich an sie und auch an Frankreich denke.

Nachdem sich meine Freundin auf den Heimweg machte, vergrub ich mich unter meiner Decke, den Blick am Bildschirm meines Laptops haftend, um das Geschehen zu beobachten, welches sich in den Straßen Paris ereignete und von dem ich mir wünschte, das all das nur ein schlechter Traum sei. ich verspürte Trauer. Tiefste Trauer für all diejenigen, die ihre Liebsten in diesen Momenten verloren haben und deren Leben von einer Sekunde auf die andere auf brutalste Weise genommen und verändert wurde. An diejenigen, die vielleicht noch nicht einmal wussten, dass sie jemanden verloren haben. An diejenigen, die in tiefster Angst um ihr Leben fürchten mussten, als sie eigentlich nur ein Konzert besuchen wollten. An diejenigen, die sich mit Freunden zum Essen und auf ein Glas Wein verabredet haben. An all diejenigen, die sich zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort aufgehalten haben. Deren unbeschwertes Leben ein Ende gesetzt wurde. An einem Freitagabend, den 13. November. Ich bin alles andere als abergläubisch, aber der Gedanke, dass diese Tragödie an einem Freitag, den 13. stattgefunden hat, löst auch bei mir einen bitteren Beigeschmack aus.

Ich verfolgte die Nachrichten bis fast 01:30 Uhr in der Nacht, als ich spürte, wie schwer meine Augen wurden und ich mich dazu entschloss diesem Alptraum zu entfliehen und zumindest schöne Träume zu finden. Dem war jedoch alles andere als das. Es war eine unruhige Nacht. Weder konnte ich seelenruhig schlafen, noch hatte ich angenehme Träume. Ich hatte das Gefühl alle halbe Stunde aufzuwachen, geweckt von Albträumen, in denen mein Freund mir schrieb, dass er sich in Paris befindet und ich panisch wurde. Nun stand ich da, der Kopf voller Gedanken, Furcht und Trauer. “Warum geschieht all das? Warum?”, frage ich mich selbst, als ich versuche den neuen Tag zu beginnen. Dieser Tag ist anders. Er ist beklemmend, bedrückend und auch erdrückend. Ein schwarzer Schleier hängt über Paris und ganz Frankreich, dessen Schatten bis nach Deutschland reicht. Der Schock schwindet und nimmt wahre Formen an. Er wandelt sich in tiefste Trauer. Ich wollte an diesem Samstagabend feiern gehen, doch entscheide mich dagegen, da ich es als unangebracht empfinde. Unschuldigen Menschen wurden, während sie die sorglosen und fröhlichen Momente des Lebens zelebrierten, das Leben genommen, darum mag ich heute Abend weder tanzen, noch singen. Es soll ein ruhiger Abend sein, voller Mitgefühl. Ich nutze diesen Abend, um mir bewusst zu werden, wie zerbrechlich dieses Leben doch sein kann. Dass wir nie wissen, was im nächsten Moment passiert. Dass wir jeden Augenblick schätzen und genießen sollten. Dass wir diejenigen, die wir unsere Liebsten nennen, nicht für selbstverständlich nehmen. Dass wir das Leben nicht für selbstverständlich nehmen, sondern es feiern! Und das jeden Tag, jede Stunde, jede Sekunde!

For a better world filled with love and peace, because there is no need for war nor for hate! 

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