Die Sache mit der Aussprache…

Deutsche sind Klugscheißer und das braucht auch niemand abzustreiten! Wir wissen alles besser, müssen immer diskutieren und haben immer Recht! Immer!!! Werden wir jedoch dabei ertappt, dass dem nicht so ist, würden wir aufgrund unseres immens übertriebenen Stolzes niemals zugeben, dass wir falsch lagen. Eher würden wir unsere Hände auf den Mund unseres Gegners legen und ihn gewaltsam zum Schweigen bringen. “Shhhh, es ist okay!”. Aggressivste Spurenbeseitigung! Diese Variante spiegelt sich natülrich nur in unseren Köpfen wider, denn die Realität sieht (zum Glück!) anders aus. Mit zusammengekniffenen Augen, einem Puls von 360 und knirschenden Zähnen betrachten wir unser breitgrinsendes Gegenüber, dem wir zu gerne mit unserer Faust bekannt machen würden, währemd nur dieser eine Gedanke in unserem Kopf Platz findet: “Du blöder Klugscheißer…”. Dieser Kampf wäre verloren. Doch wird man es sich selbst eingestehen? Niemals! Geduldig wird auf den gegebenen Moment gewartet, in dem es heißt mit 200 prozentiger Kraft zurückzuschlagen, wenn der Gegner es am wenigsten erwartet! “Bam! In your face!!!”

Auch ich bin ein Klugscheißer. Besonders wenn es zu einem meiner Lieblingsthemen kommt: der Grammatik und Aussprache! Ich hasse nichts mehr, als Deutsche, die ihrer eigenen Muttersprache nicht mächtig sind, es jedoch herabschauend von anderen Nationalitäten erwarten. Mir wird immer wieder schlecht, wenn man zwischen “als” und “wie” nicht entscheiden kann und ich mir heimlich denke: “Hört man denn nicht von selbst, dass es sich total dämlich anhört “größer wie” zu sagen!?!”! Dies sind grammatikalische Fehler, die von Kindern begangen werden, jedoch nicht von Jugendlichen oder gar Erwachsenen! Und natürlich kennen wir alle die üblichen Verdächtigen, die sich so sehr unsicher ihres Sprachgebrauchs sind und “als wie” nehmen, da sie sich zwischen “als” und “wie” offensichtlich nicht entscheiden können. Sie befinden sich so gesehen auf der sicheren Seite. NICHT!!! Und immer wieder blutet mir mein deutsches Herz. Und meine Ohren umso mehr!

Während ich in den USA gelebt habe, ist mir erst so richtig bewusst geworden, wie deutsch ich eigentlich bin. Das Klugscheißbarometer hatte seinen Höhepunkt erreicht. Ich fühlte mich wie die Mutter der englischen Sprache, die all ihre internationalen Freunde und Gastkinder berichtigen musste, da ich sonst einen unsagbar schrecklichen Tod durch unterlassener Hilfeleistung in sprachlicher Hinsicht gestorben wäre! Ich empfand es als meine Mission und habe den einen oder anderen mit meiner Besserwisserei in den Wahnsinn getrieben. Man muss dazu sagen, dass Amerikaner viel zu höflich sind, um jemanden darauf hinzuweisen, dass das ein oder andere Wort eventuell falsch ausgesprochen wurde. Ich befand mich in den ersten Monaten meines amerikanischen Lebens oft in diesen Situationen, in denen ich mir alles andere als sicher war, was meine Aussprache betraf. In 50 Prozent meiner Sätze kam ein “I don’t know how you call it…” vor. Mit Händen und Füßen versuchte man dieses eine Wort zu beschreiben, welches sich zu dem Zeitpunkt noch nicht in meinem Wortschatz befand. Das Endresultat dessen war entweder Freude über ein neu dazugelerntes Wort, da meine Gastmutter nach 10 minütigem Dauerraten endlich wusste, worauf ich hinaus wollte, oder pure Frustration, da ihr Gesicht nichts außer Fragezeichen widerspiegelte. Während dieser Anfangsphase wurde ich von täglichen Kopfschmerzen geplagt und ich glaube nun zu wissen, was es damit auf sich hatte. Die englische Sprache fraß sich Schritt für Schritt in mein Bewusstsein und brachte die deutsche langsam zum Ersticken. Nach knapp zwei Monaten fing ich an englisch zu denken und zu träumen. Das war der Beweis dafür, dass die englische Sprache an Oberhand gewann.

Da ich im Einzelhandel arbeite und wir so einige Produkte aus aller Welt in unserem Verkauf haben, erlebt man den ein oder anderen Sprachfasching, welcher einen für gewöhnlich immer zum Lachen bringt, bei übermäßigem Wiederholen jedoch zur Weißglut treibt! Das erinnert mich an eine Situation als ich mich mit meinem Kollegen unterhielt und ein Kunde nach “Sür Kriem” fragte. Durch das “Sür” klang es doch sehr französisch. Ich hatte keinerlei Ahnung was gemeint war. Ich schaute fragend meinen Kollegen an, der nur mit den Achseln zuckte, als beide unsere Blicke sich wieder an unseren Kunden richteten. “Was suchen Sie???”, fragte ich ihn mit leicht genervtem Unterton. Er bestand auf “Sür Kriem” und versuchte mir zu beschreiben, wofür man dieses Produkt verwendet, bis es mir dann wie Schuppen von den Augen fiel und ich wie in einem Comic mit erhobenem Zeigefinger dastand und laut “Aaaahhh, Sie meinen SOUR CREAM!!!” sagte. Es fehlte nur noch die leuchtende Glühbirne über meinem Kopf. Ich sagte “Sour Cream” so oft es ging, damit es sich in sein Gedächtnis brannte und dieses fiktive “Sür Kriem” den Gar ausmachte! Oh ja, darauf bestehe ich, dass ich meinen Kunden dann die richtige Aussprache zukommen lasse. Soviel bin ich ihrer Unwissenheit schuldig! Neben der altbekannten “Sür Kriem”, führen wir auch noch “Mirazell Wip” (auch bekannt als “Miracel Whip”), “Bresssso” (es heißt “Bresso” und die Betonung liegt auf dem “o”, verdammt nochmal!!!) und “Goggonsola” (bitte sprecht es laut mit zwei “g” aus. es bringt mich immer wieder zum Lachen!) in unserem Sortiment. Ich verlange von niemandem fließend 5 Sprachen zu sprechen, jedoch wäre es nett, wenn man sich ab und an etwas Mühe geben würde. So schwer ist es doch nicht, oder?

 

P.S.: Dieser altbekannte Sprachfasching macht auch vor meiner eigenen Familie keinen Halt. So wird “Channel 21” als “Chanel 21” bezeichnet (und schon entsteht eine neue Duftkreation). Und meine Oma, tja, die wollte sich einen airport auf ihren Hof bauen lassen. Bis wir dann festellten, dass sie carport meinte.

 

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